Analyse

Manche Unternehmen haben ihren Wert im Dotcom-Crash von 2000 bis 2003 mehr als verdoppelt. Einige davon sind jetzt vielversprechend, weil die Bewertungen günstig sind und die Geschäftsmodelle Tech-fern sowie konjunkturresistent. Für den Tech-Investoren Ed Schneider ist die Kursrally der Chipaktien allzu extrem geworden. Bis Mitte Mai hat sein Hedge Fund Quan das Engagement bei den besonders heissen Speicherchip-Herstellern reduziert und ist bei einem KI-Infrastrukturzulieferer short gegangen.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.«KI-Infrastruktur-Aktien hatten einen riesigen Lauf», sagt Schneider. «Diese Aktien können jederzeit steil nach unten drehen.» Denn den Ausgaben der Hyperscaler wie Amazon, Microsoft, Google und Facebook für Rechenzentren und Chips stehe noch keine Nachfrage von Kunden gegenüber, um diese zu refinanzieren.«Das letzte Mal, dass wir so einen Enthusiasmus am Markt hatten, war der durch das Internet angetriebene Bullenmarkt von 1998 bis Anfang 2000», konstatiert der in Genf lebende Amerikaner. «Es ist sinnlos zu rätseln, ob wir uns eher im Jahr 1998 oder 1999 befinden, aber es gibt einige praktische Richtlinien zu befolgen.»Anleger sollten bedenken, dass das Halbleitergeschäft durch starke Auf- und Abschwünge geprägt ist. Ein guter Zeitpunkt zum Verkauf von Chipaktien ist gekommen, wenn das Wachstumstempo des Gewinns zu sinken beginnt. «Wer auf tatsächlich schrumpfende Gewinne wartet, kommt zu spät.» Das gelte auch für die Hyperscaler. Aber die Aktien von Speicherchipherstellern dienten oft als erstes Alarmsignal für einen Abschwung, sagt Schneider.Aktien, die einem KI-Crash trotzenFalls der KI-Rückschlag kommt, sollten Anleger keinesfalls alle Aktien verkaufen. Das wäre eine allzu einseitige Positionierung angesichts der Unvorhersagbarkeit von Konjunktur und Märkten. Umsichtig erscheint es dagegen schon jetzt, ein allzu grosses Übergewicht von KI-Gewinnern zu reduzieren und hier Profite mitzunehmen, wie es schon Tech-Branchenkenner Schneider getan hat.Alternativen zu den gefeierten Chipherstellern bieten wachstumsstarke und renditekräftige Firmen aus Tech-fernen Branchen. Zur Ideenfindung lohnt sich ein Blick auf Unternehmen, die dem heftigen Börsenkrach von 2000 bis 2003 widerstanden haben. Auch wenn die Telekommunikations-, Medien- und Technologieblase vor einem guten Vierteljahrhundert ihre eigenen Besonderheiten hatte und sich deutlich vom derzeitigen KI-Boom unterschied.Der Blick auf die Gewinner der Jahre 2000 bis 2003 im heutigen Dax 40 ergibt zusätzlich zu den Top Ten oben noch Adidas (22% Kursgewinn), BMW (19%), Deutsche Börse (16%), Airbus (11%), Hannover Rück (10%) und Eon (7%) als Titel mit positiver Kursentwicklung nach dem Platzen der Internet-Spekulationsblase.Viele dieser Aktien bringen gute Voraussetzungen mit, um auch in den kommenden Jahren Wert für Anleger zu schaffen. Allerdings muss dafür das Geschäftsmodell intakt sein. Bei den deutschen Autoherstellern herrschen daran derzeit Zweifel. Auch Puma und Beiersdorf kämpfen mit unternehmenseigenen Problemen. Beim Sportartikelhersteller erwarten die Analysten für 2026 einen Verlust, für die Turnaround-Wette sind Risikofreude und Geduld nötig. Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf wiederum bietet derzeit mehr offene Fragen als Kursfantasie. Beim Lagerlogistikkonzern Jungheinrich gab es seit 2025 zwei unerwartete Managerabgänge und Berichte über Zwist in der Eigentümerfamilie.Daher schaffen es diese Titel nicht in die Auswahl der Aktien, die ihre Resistenz gegen einen Tech-Crash bewiesen haben und derzeit Chancen bieten.Adidas: ungeliebt und günstig, jedenfalls an der BörseMit der enttäuschenden Jahresprognose hatte Adidas-CEO Björn Gulden den Kurs Anfang März abstürzen lassen: eine Übung in Tiefstapelei, wie The Market seinerzeit vermutete. Ende April übertraf der Sportartikelhersteller mit 6,6 Mrd. € Umsatz im ersten Quartal die Analystenerwartung (6,3 Mrd. €) und schlug diese auch beim Betriebsgewinn (705 Mio. €). 2026 und 2027 trauen die Analysten den Herzogenaurachern zu, den Jahresüberschuss jeweils um fast 20% zu steigern.Auf dem Geschäft lastet die hohe Inflation und die deshalb geringere Kauflaune der Kunden. Die Umfrage der Universität Michigan zeigt, dass die US-Konsumentenstimmung zuletzt auf ein Rekordtief gestürzt ist. Das spricht gegen einen baldigen Höhenflug der Aktie.Mittelfristig betrachtet ist die zweitgrösste Sportartikelmarke der Welt nach Nike jedoch durchaus aussichtsreich, denn die Konsumflaute hat die Bewertung erheblich gedrückt. Während die KI-Hoffnungsträger teuer sind, ist Adidas an der Börse billig und unbeliebt («Cheap but unloved»), wie Berenberg-Analyst Nick Anderson im März in einer Analyse schrieb.Airbus: auf Jahre ausgebuchtAm 19. Februar bezeichnete The Market die Airbus-Aktien wegen des andauernden Lieferengpasses bei Flugzeugturbinen als unattraktiv. Seitdem ist der Kurs zeitweilig um mehr als 15% gefallen. Die Probleme der Zulieferer dauern an. Dennoch trauen die Analysten dem Konzern für die kommenden Jahre zweistelliges Wachstum zu. Airbus A320 neo von Xiamen Airlines. ZVG Airbus hat Bestellungen für 9037 Zivilflugzeuge im Buch. Selbst wenn Kunden Order stornieren sollten, bliebe der Konzern auf Jahre hinaus beschäftigt. Mittelfristig dürften die Triebwerkhersteller wieder grössere Stückzahlen liefern. Das macht die Aktien zu einer sinnvollen Investition für Anleger, die einen KI-Crash fürchten.Continental: günstiger Reifenhersteller mit KatalysatorDurch die Abspaltung von Aumovio hat Continental sich auf das schwankungsärmere Reifengeschäft konzentriert. Denn abgefahrene Pneus werden notgedrungen auch dann ersetzt, wenn die Wirtschaft lahmt. Die Kunststoff- und Kautschuksparte ContiTech soll noch vor Jahresende verkauft werden, Private-Equity-Gesellschaften gelten als interessiert.Im ersten Quartal stieg der bereinigte Ebit um 6% auf 522 Mio. €, die Marge kletterte um einen Prozentpunkt auf 14,4%. Continental sei mit einem Preisabschlag von 30% zu anderen Reifenherstellern günstig und der ContiTech-Verkauf könnte eine Sonderdividende finanzieren und eine Aufwertung auslösen, urteilen die UBS-Analysten. The Market hält Continental für einen konjunkturresistente Dividendenzahler (Ausschüttungsrendite: 4,4%).Deutsche Börse: eingebaute KrisenresistenzDie Deutsche Börse ist einer der Favoriten von The Market für 2026. Die Krisenresistenz liegt im Geschäftsmodell: Wenn nervöse Anleger viel handeln und absichern, ist das für einen Börsenbetreiber grundsätzlich gut.Der Gewinn pro Aktie soll von 2026 bis 2029 jährlich um mehr als 9% steigen, schätzen die bei Bloomberg erfassten Analysten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 ist günstig für einen wachstumsstarken Oligopolisten (KGV, zum für 2026 geschätzten Gewinn). Kürzlich hat der Qualitätsaktieninvestor Christopher Hohn mit seinem Hedge Fund TCI 5,2% der Anteile erworben, wie am 15. Mai bekannt wurde. Der Kurs ist nach einer Konsolidierung auf Zwölfmonatssicht noch 10% im Minus, auf Sechsmonatssicht jedoch mehr als 15% im Plus. Die Rally dürfte mittelfristig noch viel weiter gehen.Drägerwerk: Margenpotenzial von sehr niedriger Basis ausAuf Indexebene (MSCI Europe) sind die Gewinnmargen in Europa seit der Pandemie auf dem höchsten Stand seit 25 Jahren, zeigen Daten von Morgan Stanley. Es ist fraglich, ob die Unternehmen dieses hohe Niveau dauerhaft halten können.Gewinnmarge des MSCI Europe Der Hersteller von Sicherheits- und Medizintechnik Drägerwerk hat ein ganz anderes Problem. Die Medizintechniksparte schafft nur 2,9% Ebit-Marge. Die Fondsmanager Jens Ehrhardt (DJE Kapital) und Christian Gebert (Ehrke & Lübberstedt) setzen darauf, dass das Lübecker Familienunternehmen zumindest ein Stück weit zu den Branchenrivalen aufschliesst, die ein Vielfaches an Marge erzielen. The Market hält Drägerwerk deshalb und wegen der niedrigen Bewertung für aussichtsreich.Antizyklisches Investieren in Lübeck hat sich schon einmal gelohnt: Im Dotcom-Crash hat Drägerwerk seinen Kurs verfünffacht.Eon: Stromnetzbetreiber mit staatlich regulierter RenditeBeim Stromnetzbetreiber Eon ist noch keine KI-Euphorie zu spüren. Über drei Jahre lief es immerhin besser als beim Dax-Kursindex (66 und 48% Plus). Der Konzern baut sein Netz, das der Engpass der Energiewende ist, stetig aus. Daher erwartet die Unternehmensführung einen negativen freien Cashflow mindestens bis Mitte der Dreissigerjahre.«Die Rendite für den Netzbetrieb ist staatlich reguliert, daher gehört Eon zu den gegen Konjunktureinbrüche am besten abgesicherten Aktien», sagt Jens Ehrhardt, der Gründer von DJE Kapital, in der vierteljährlichen Fondsmanager-Umfrage von The Market.Fuchs: stetiges Wachstum auch bei der DividendeDer Schmierstoffhersteller Fuchs wächst in einer profitablen Nische. Das Unternehmen selbst hat sich bis 2031 auf Stufe Ebit 550 Mio. bis 600 Mio. € als Ziel vorgenommen, was ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 4 bis 5,5% erfordert.Im Dotcom-Crash von 2000 bis 2003 hat die im Tech-Boom zuvor verkannte Fuchs ihren Börsenwert mehr als verdoppelt. Wie stetig das Geschäft verläuft, zeigt auch die Dividende: Die Mannheimer haben sie zum 24. Mal in Folge angehoben.Hannover Rück: stabiler als andere VersichererDer Rückversicherer aus Hannover schaffte von 2000 bis 2003 immerhin ein leichtes Kursplus, während Münchener Rück und Allianz um mehr als 60% einbrachen. Hannover Rück gilt als krisenfester, weil das Unternehmen bei einem höheren Anteil des Geschäfts die Risiken weitergibt (sogenannte Retrozession).Rückversicherer befinden sich bereits im Abschwung ihrer Branchenkonjunktur, weil die Preise nach mehreren guten Jahren seit 2025 wieder fallen. Die Aktien der Niedersachsen sind schon für ein KGV von 11 erhältlich, mit mehr als 5% Dividendenrendite. In einem KI-Crash böte der Titel Krisenresistenz und eine auskömmliche Ausschüttung. Eine wachstumsstärkere Alternative bietet Talanx, die gut 50% an Hannover Rück halten und auch Erstversicherer wie den Industrieversicherer HDI betreiben, die besonders in Lateinamerika stark expandieren. The Market hat Talanx im Mai 2024 empfohlen und hält den Titel weiter für aussichtsreich.Krones: starke Nische bei Abfüllanlagen für GetränkeDer Weltmarktführer bei Abfüllanlagen für Getränke konnte seinen Kurs von 2000 bis 2003 mehr als verdoppeln, während die zuvor gefeierten Internet-Aktien von den Anlegern fallengelassen wurden. The Market hat den dauerhaften Wertsteigerer bereits im September 2024 empfohlen und dies im Oktober 2025 bekräftigt.Das KGV von 11 entspricht einem Zehnjahrestief. Dabei soll der Gewinn pro Aktie 2026 um 9% und in den Folgejahren um 12% pro Jahr zulegen, schätzen die bei Bloomberg erfassten Analysten. Im ersten Quartal stieg der Umsatz um 5,3% auf 1,5 Mrd. €, dem 1,1-Fachen des Umsatzes. Der zum 10. Juni scheidende CEO Christoph Klenk ist überzeugt, dass die Kunden auch in Konjunkturkrisen investieren würden, weil sie sonst Marktanteile an Rivalen verlieren.Rheinmetall: Panzer würden auch in einem KI-Crash gekauftAuch im Drohnenkrieg werden Panzer weiterhin gebraucht, und Rheinmetall stellt sie her. Ebenso wie Artilleriemunition und Flugabwehrsysteme. Wegen der Omnipräsenz des Dax-Konzerns bei der Auftragsvergabe des deutschen Militärs ist die deutsche Nachrüstung davon abhängig, dass die Düsseldorfer ihre Produktion wie geplant ausweiten.Die bei Bloomberg erfassten Analysten erwarten mehr als 30% Umsatzwachstum pro Jahr bis 2029. Ein KI-Crash würde das Wachstum nicht stoppen, so lange die Bedrohungslage in Europa durch Russland gegeben ist. Nach dem Kursrückgang von fast 2000 auf gut 1200 € ist das KGV auf 33 gesunken, was angesichts des gut prognostizierbaren Umsatz- und Gewinnanstiegs aus Sicht von The Market attraktiv ist.