In Asien und Amerika haben Aktienindizes, getrieben von Chipwerten, neue Rekordhochs erreicht. Erstmals überwand der US-Technologieaktienindex Nasdaq-100 in der Woche nach Pfingsten die runde Marke von 30.000 Punkten. Dieser Index der 100 wichtigsten amerikanischen Technologieaktien hat nun seit einem Jahr 43 Prozent zugelegt. In Japan ging der Boom am Mittwoch weiter. Dort kletterte der Leitindex Nikkei auf ein Rekordhoch und steht nun 72 Prozent höher als vor einem Jahr. Noch größer ist die Begeisterung in Südkorea, wo der Aktienindex Kospi in den vergangenen zwölf Monaten sogar um gut 200 Prozent angesprungen ist.Getragen wird die Begeisterung der Anleger von guten Quartalszahlen, insbesondere von Halbleiterproduzenten, die eine hohe Nachfrage nach Speicher-Chips verspüren. Ihre Rekordauftragsvolumen, durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in immer weiteren Bereichen der Unternehmenswelt verursacht, treibt etwa die Kurse des südkoreanischen Unternehmens SK Hynix und des US-Unternehmens Micron. Beide gelten neben Samsung als Spezialisten von HBM-Speichern. HBM steht für High Bandwidth Memory, besonders gestapelte Arbeitsspeicher (spezielle DRAM‑Variante), die dank sehr hoher Bandbreite sehr energieeffizient sind und daher „KI-Beschleuniger“ genannt werden.Analysten vervielfachen Kursziele für Micron und MarvellMicron stiegen allein am Dienstag nach Pfingsten stark um fast 20 Prozent an und erreichten erstmals einen Börsenwert von einer Billion Dollar, nachdem die Großbank UBS ihr ‌Kursziel für das Papier von 535 auf ‌1625 Dollar angehoben hatte. Damit scheint noch sehr viel Luft nach oben, kostete die Micron-Aktie nach dem Kurssprung am Dienstag nur 896 Dollar. Seit einem Jahr hat Micron indes schon sage und schreibe 860 Prozent zugelegt und gehört damit in diesem Zeitraum zu den besten drei Aktien im Nasdaq-100.Für das US-Halbleiterunternehmen Marvell vervierfachte die Bank HSBC am Dienstag ihr Kursziel auf 300 Dollar. Die Marvell-Aktie kostete am Dienstag 208 Dollar und ist mit einem Kursanstieg um 240 Prozent seit einem Jahr die achtbeste Aktie im Nasdaq-100. Anders als Micron ist Marvell aber noch nicht Mitglied im wichtigsten US-Aktienindex S&P 500, wo die größten 500 US-Aktiengesellschaften vertreten sind.Auch dieser die breite US-Wirtschaft abbildende Index erreichte in der Woche nach Pfingsten ein Rekordhoch, ebenso wie der SOX-Branchenindex, in dem ausschließlich US-Halbleiterwerte abgebildet sind. Dieser Philadelphia Semiconductor Index ist seit einem Jahr um 174 Prozent gestiegen, der S&P 500 um 30 Prozent. Allein im April ist der breite Aktienindex S&P 500 so stark gestiegen wie zuletzt in einem Monat im Jahr 2000, als die Börsen zum ersten Mal beflügelt durch das damals für viele Nutzer neue Internet auf mehrjährige Höchststände kletterten, bevor eine mehrjährige tiefe Talfahrt einsetzte.Infineon beste Aktie im Dax, Aixtron beste Aktie im M-DaxAus dieser Zeit stammen auch die beiden Unternehmen, die an der Deutschen Börse vom KI-Boom profitieren: Infineon und Aixtron. Der Börsengang von Infineon fand am 13. März 2000 statt. Die Siemens AG hatte ihr Halbleitergeschäft ausgegliedert und die Aktien zu einem Ausgabepreis von 35 Euro an die Börse in Frankfurt und New York gebracht. Am ersten Handelstag verdoppelte sich der Kurs zeitweise auf gut 70 Euro. Diese Kurshöhe hat die Infineon-Aktien erstmals seit dem Jahr 2000 in diesem Monat, also im Mai 2026, wieder erreicht. Zwischenzeitlich mussten die Anleger eine lange Durststrecke durchmachen. Im Jahr 2009 kostete eine Infineon-Aktie weniger als einen Euro, zwischen November 2007 und Januar 2015 wurden nie mehr als 10 Euro für eine Infineon-Aktie bezahlt.Während Infineon an die Börse ging, nachdem die erste Internet-Aufstiegswelle ihren Höhepunkt erreicht hatte, war Aixtron früh dran gewesen. Das Aachener Unternehmen ist seit November 1997 an der Börse, es ging damals an den Neuen Markt, an dem junge, hoffnungsvolle deutsche Wachstumsunternehmen zunächst reißenden Absatz fanden und wo dann viele Hoffnungen auch zerstoben.Aixtron ist also einer der wenigen Überlebenden dieses Neuer-Markt-Booms. Umgerechnet zahlten Anleger der ersten Stunde, damals wurde noch in D-Mark und nicht in Euro bezahlt, 4,17 Euro je Aixtron-Aktie. In den Boomjahren im frühen Jahrtausend kostete eine Aixtron-Aktie dann fast 90 Euro. Im Frühjahr 2003, als der Neue Markt kollabierte, war die Aixtron-Aktie dann weniger als drei Euro wert. Heute, nach einem Kursanstieg in den vergangenen zwölf Monaten um 326 Prozent, ist die Aixtron-Aktie rund 54 Euro wert. Damit ist sie die beste Aktie im M-Dax.Aixtron galt lange als Zulieferer von Apple. Aber inzwischen hängt der Chipausrüster Aixtron auch stark an Nvidia, dem scheinbar größten Profiteur des KI-Booms. Nvidia investiert stark in Unternehmen wie Coherent und Lumentum, die Daten mithilfe von Licht übertragen. Mit solchen optischen Verbindungen, so die Idee, lassen sich KI-Rechenzentren künftig noch schneller und effizienter betreiben.Das regt auch das Geschäft von Aixtron an: Das Unternehmen aus Aachen stellt Anlagen her, mit denen optoelektronische Halbleiterkomponenten hergestellt werden, etwa Datenübertragungslaser. Aixtron investiert nun 40 Millionen Euro in einen neuen Standort in Malaysia. Das ist für ein Unternehmen mit zuletzt 557 Millionen Euro Jahresumsatz eine ganze Menge. Das Unternehmen wirkt aber sehr solide finanziert. Gerade hat Aixtron seine erste Wandelanleihe im Volumen von 450 Millionen Euro verkauft und muss nun darauf die ersten fünf Jahre keine Zinsen zahlen.Infineon wiederum ist im Dax und im Euro Stoxx 50 mit einem Kursgewinn von 128 Prozent seit einem Jahr die beste Aktie. Gerade hat das Unternehmen seine Umsatzprognose für dieses am 30. September 2026 endende Geschäftsjahr auf ein Plus 10 Prozent erhöht. Zuletzt erlöste Infineon 14,7 Milliarden Euro. Das Unternehmen profitiert vor allem von guten Geschäften mit Leistungshalbleitern, die für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren benötigt werden.Der Auftragsbestand liege um 25 Prozent höher als vor einem Jahr, sagte der Vorstandsvorsitzende Jochen Hanebeck Anfang Mai. Dennoch will Infineon erst einmal keine neue Fabrik bauen. Anfang Juli nimmt in Dresden eine fünf Milliarden teure Fertigungsstätte ihren Betrieb auf.