Berlin bröckelt – und zwar mit Vorliebe dort, wo der Staat sich am liebsten inszeniert: im Schloss Bellevue, an den Universitäten, im Pergamonmuseum. Das Dach des Bundespräsidenten leckt, das Hauptgebäude der TU ist baupolizeilich dicht, die HU verwaltet Leerstand, und das Pergamonmuseum verschwindet für Jahrzehnte hinter Bauzäunen. Hinzu kommen Brücken, die zum Sanierungsfall werden, und Straßen, in denen Schlaglöcher klaffen. Immer dasselbe Muster: Erst wird auf Verschleiß gefahren, dann mutiert das Aufschieben zum Milliardenloch.

Schloss Bellevue: Der bröckelnde Glanz der Republik

Der Amtssitz des Bundespräsidenten liefert eigentlich genau das, was die Berliner Republik von ihm erwartet: Er ist weiß, würdevoll und maximal staatstragend. Vor dieser klassizistischen Kulisse am Rand des Tiergartens weht die Bundesflagge im Wind, dahinter entfalten sich Park, Protokoll und ein Hauch von Präsidialpathos.

Wer hier vorfährt, soll an Würde und Kontinuität glauben – nicht an Handwerker, Risse oder morsche Lüftungsschächte. Doch hinter der Kulisse regiert die Berliner Realität: Das erste Haus im Staate ist marode. Das Dach leckt, die Lüftung pfeift auf dem letzten Loch, die Fenster spotten jeder Sicherheitsnorm, und in den Decken frisst sich die Korrosion durch den Stahl. Schloss Bellevue ist damit zum ultimativen Hauptstadt-Symbol avanciert: außen Staatsakt, innen Kernsanierung.