Die Brücken gelten als besonderer Schwachpunkt der deutschen Infrastruktur, viele von ihnen bröckeln oder müssen gesperrt werden. Dabei hätte es Wissenschaftlern zufolge nicht so weit kommen müssen.

10.07.2026, 09.20 Uhr

Abriss von maroder Brücke in Berlin: Megakosten oft vermeidbar

Deutschland kümmert sich nach Ansicht von Wissenschaftlern zu wenig um die Instandhaltung von Brücken. »Die Pflege von Brücken ist vergleichbar mit dem Zähneputzen: Wenn ich einen Tag meine Zähne nicht putze, ist das nicht so schlimm«, sagte Steffen Marx von der Technischen Universität Dresden. Eine Brücke halte es gut aus, wenn sie ein Jahr lang nicht gepflegt werde. »Wenn ich mich aber 30 Jahre lang nicht um die Instandhaltung kümmere – wie in Deutschland geschehen – dann beschleunigt sich der Schadensfortschritt.«

Verglichen mit den Kosten für die Pflege müsse man das Vielfache investieren, um eine Brücke zu reparieren oder neu zu bauen, sagte Marx, Direktor am Institut für Massivbau der TU. Ein defekter Abfluss zum Beispiel sei leicht auszubessern. Passiere das aber nicht, durchfeuchte die Brücke, der Stahl roste, und es werde viel aufwendiger und teurer, den Schaden zu beseitigen.Meist erfolgt eine Vollsperrung dann plötzlich, weil erhebliche Schäden entdeckt werden und Experten Einsturzgefahr bescheinigen. Fahrbahn, Fuß- und Radwege der Bonner Nordbrücke dürfen beispielsweise seit Anfang Juni nicht mehr genutzt werden. 2025 traf es die Ringbahnbrücke in Berlin, 2024 die Elbbrücke in Bad Schandau, 2021 die Rahmede-Talbrücke im Sauerland. Mit der Carolabrücke stürzte vor etwa zwei Jahren gar eine Brücke im laufenden Betrieb ein.