Berlin funktioniert, solange man nicht darüber nachdenkt. Solange Strom aus der Steckdose kommt, Wasser aus dem Hahn, die S-Bahn fährt und der Notruf erreichbar ist. Die Stadt ist ein Körper aus Leitungen: Stromtrassen, Glasfaserkabel, Pumpwerke, Server, Funkmasten, Verwaltungen. Man merkt erst, wie abhängig Berlin davon ist, wenn etwas davon fehlt.

Genau das ist aber zweimal innerhalb weniger Monate passiert. Ein gezielter Anschlag auf Strommasten in Johannisthal am 9. September 2025 und ein Brandanschlag auf eine Stromtrasse am 3. Januar 2026 im Südwesten der Stadt. Fast 100000 Menschen waren insgesamt betroffen, waren tagelang ohne Strom.

„Die haben fast darum gebettelt, dass sowas passiert“, sagt Manuel Atug. Und meint damit die Politik. Atug ist Gründer und Sprecher der unabhängigen AG KRITIS, ein ehrenamtlicher Zusammenschluss von Fachleuten für kritische Infrastrukturen. Im Netz ist er als „HonkHase“ bekannt.

„Gruselig und desolat“

Atug gilt als ausgewiesener Experte für kritische Infrastrukturen und ist ein gefragter Gesprächspartner von Politik, Verbänden und Unternehmen. Sein Urteil über die Sicherheitslage in der Hauptstadt fällt hart aus: „Weiterhin gruselig und desolat.“ Seine Begründung: „Die Politik und Behörden reden zu oft über offensive Befugnisse, KI oder Überwachung – und zu selten über Cyberresilienz und Basissicherheitsmaßnahmen.“