Berlin hat viele Geräusche. Die S-Bahn auf den Brücken. Die Sirenen in der Nacht. Das Klirren von Flaschen am Bahnhof. Und dann gibt es dieses andere Geräusch: Papier. Briefe vom Vermieter. Mahnungen. Räumungsklagen. Behördenpost. Für manche Menschen beginnt Wohnungslosigkeit nicht im Schlafsack, sondern mit einem Umschlag im Briefkasten.

Susanne Gerull kommt nicht aus der akademischen Glasvitrine. Sie war Sozialarbeiterin, ist Wissenschaftlerin. „Manche Fragen lassen sich aber auch heute nicht mit beruflichem Alltagswissen beantworten“, ist sie überzeugt. Später wurde genau daraus ihre wissenschaftliche Spur: Mietschulden, Prävention, soziale Wohnhilfe, Wohnungslosigkeit. Armut, sagt sie sinngemäß, sei nicht nur ein Mangel an Geld, sondern eine politische Frage. Soziale Ungleichheit beruhe auch auf Strukturen, die „politisch gewollt“ seien.

Immer mehr sind von Wohnungslosigkeit betroffen

Deutschlandweit waren zum Stichtag 31. Januar 2025 rund 474.700 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht – acht Prozent mehr als im Vorjahr. 41 Prozent der gemeldeten untergebrachten Menschen waren jünger als 25 Jahre. Nicht enthalten sind dabei jene, die auf der Straße schlafen oder verdeckt wohnungslos sind, also etwa bei Bekannten unterkommen.