Es ist Samstagabend, kurz nach 22 Uhr. Andreas (57) zieht seine Decke bis unter das Kinn. Nicht, weil es kalt wäre, sondern weil nun die Nacht beginnt. Er sitzt unter der Hochbahn am Kottbusser Tor, dort, wo Berlin selbst im Dunkeln nicht schläft, sondern nur rauer wird. Über ihn rattern die Bahnen, feierwillige Menschen ziehen laut redend an ihm vorbei. Michael bewegt sich kaum. Seine Welt ist ein alter Rucksack, zwei Plastiktüten, eine Isomatte und ein Becher, in dem eine Handvoll Münzen liegen.
Zunächst schweigend sitzt der Mann vor mir, sein Blick verrät, dass er mit seinen Gedanken anderswo ist. „Ich war mal jemand“, sagt er plötzlich und schweigt erneut. Der Satz bleibt zwischen den zahlreichen Autos und den laut grölenden Passanten hängen.
Übergriffe sind bekannt
Dann fängt er an zu erzählen. „Ich habe auf zahlreichen Baustellen gearbeitet.“ Das Geld sei okay gewesen. „Sogar für Leben leben blieb noch was übrig.“ Und dann der Absturz: Rücken kaputt, Trennung von der Ehefrau. Alkohol. Dann die Kündigung. Dann die Wohnung weg. Er erzählt es nicht chronologisch. Auf der Straße wird die eigene Vergangenheit zum Durcheinander, zu einer Sammlung von Lebensbildern. Man erinnert sich nicht mehr an genaue Daten. Plötzlich scheint er zu lachen. Es ist aber ein resignierendes Lachen. „Beim ersten Mal draußen denkst du, es wird eine Ausnahme bleiben.“ Doch aus der Ausnahme sind mittlerweile acht Jahre geworden.











