Eines der besten Bonmots des berühmten Tennisspielers Boris Becker bezieht sich auf die Besonderheit von Grand-Slam-Turnieren. Es lautet: „Im fünften Satz geht’s nicht um Tennis, sondern um Nerven.“ Als sechsmaliger Sieger der bedeutendsten Wettbewerbe weiß der Deutsche genau Bescheid, worauf es in der heißen Phase ankommt. Becker durchlebte ja früher selbst Psychodramen auf dem Platz, während die Tennisnation vor dem TV-Gerät zusah und mitlitt. Ob sein Bonmot aber auch auf das rätselhafte Ausscheiden des Weltranglistenersten Jannik Sinner bei den French Open zutrifft?Boris Becker arbeitet rund um die French Open als TV-Experte für Eurosport.dpaBecker, nun bei den French Open als Tennisexperte bei Eurosport gefragt, zeigte sich in dem Sportsender sicher, warum der zuvor in 30 Matches ungeschlagene Italiener schlapp machte, als er kurz vor dem Gewinn des Zweitrundenmatches gegen den Argentinier Juan Manuel Cerundolo stand: „Es kam alles von seinem Kopf“, sagte der 58 Jahre alte Altstar. Sinner habe schon nach zwei Stunden Anzeichen von Krämpfen gezeigt. Dass mangelnde Physis oder das heiße Wetter der entscheidende Grund dafür seien, mochte Becker nicht glauben. Zumal der Italiener nicht in der schlimmsten Nachmittagshitze auf einem Außenplatz auflaufen musste, sondern zu einer Zeit begann, als das Thermometer im Pariser Stadion Philippe-Chatrier noch nicht 30 Grad Celsius erreicht hatte.„Wir wissen nicht, was in ihm vorgeht: Wie viel Druck macht er sich?“, fragte Becker. Dass Sinner nach seinem Sensations-Aus am Donnerstag erklärt hatte, in der Nacht vor dem Match schlecht geschlafen und deshalb einen schwarzen Turniertag erwischt zu haben, sah Becker als Anzeichen für eine zunächst mentale Blockade. „Wenn du grübelst und nervös bist, ist es schwierig, Schlaf zu bekommen.“ Und Schlafmangel schlägt auf den Körper und das Nervensystem.Sinners verheerende Bilanz in FünfsatzmatchesDass der Rotschopf aus Südtirol stets aufs Neue körperliche Probleme offenbart, wenn ein Match länger dauert, ist seine bekannte Schwäche. Mitunter gelingt es ihm, sich bis zum Matchball durchzuquälen, wie bei der Niederlage im Nachtspiel der US Open 2023 gegen Alexander Zverev oder bei den Australian Open im Januar gegen den Amerikaner Eliot Spizzirri. Doch mehrmals musste er aufgeben. Oder einem fitteren Gegner zum Sieg gratulieren wie Cerundolo nach dem 6:3, 6:2, 5:7, 1:6, 1:6 bei den French Open.Wie sehr Sinner stets Gefahr läuft, im Laufe längerer Matches abzubauen, offenbart auch seine Bilanz in Fünfsatzmatches. Von seinen 18 Begegnungen über die volle Grand-Slam-Distanz hat er nur sechs gewonnen – also gerade mal jede dritte. Sein größter Rivale Carlos Alcaraz hat eine Fünfsatzbilanz, die dagegen imposant ist und von außerordentlicher mentaler Stärke zeugt: 15 Siege, eine Niederlage.Seit März hatte Jannik Sinner alles gewonnen, was es zu gewinnen gab: Fünf Turniersiege der zweithöchsten Kategorie sicherte er sich: in Indian Wells, in Miami, dann auf den europäischen Sandplätzen von Monte Carlo, Madrid und Rom. Auf die Frage, ob er sich zwischendrin vielleicht lieber eine Pause hätte gönnen sollen, um sein wichtigstes Jahresziel zu sichern – den Titel von Roland Garros – wich Sinner etwas aus. „Wenn ich nicht in Madrid oder in Rom spiele, komme ich vielleicht hierher und habe trotzdem einen Tag wie diesen, an dem man sich elend fühlt.“Boris Becker hatte eine konkretere Meinung. „Er war einfach leer. Dieses eine Match war zu viel.“ Es war wieder nicht das Tennis, das Jannik Sinners größtes Problem darstellte, sondern es war der ausgelaugte Körper, in dem ein müder Geist steckte.
French Open: Boris Beckers überraschende Erklärung für Jannik Sinners Aus
Die Tennis-Welt rätselt über Jannik Sinners Kollaps bei den French Open. Boris Becker hat eine überraschende Erklärung parat. Die würde auch zu Sinners bemerkenswert schlechter Bilanz in Fünfsatzmatches passen.















