Zusammengerechnet etwa achtzig Stunden hatten die Astronauten der sechs Apollo-Missionen auf der Oberfläche des Mondes verbracht. Das ist mehr als fünfzig Jahre her, soll sich aber bald ändern. Die Amerikaner bereiten eine permanente Basis auf dem Mond vor und versuchen, damit zu beginnen, bevor es die Chinesen tun.Auf die Anfang April erfolgte bemannte Mondumrundung, die Mission Artemis II, will die NASA im kommenden Jahr mit Artemis III das Docken mit Mondlandeeinheiten üben, um dann 2028 mit Artemis IV wieder Astronauten auf die Mondoberfläche zu bringen. Aber das ist nach gegenwärtiger Planung erst der Beginn. Die Astronauten sollen in der Nähe des lunaren Südpols landen, wo Vorkommen von Wassereis vermutet werden, und dort die Errichtung der Mondbasis vorbereiten.Mobil auf dem MondAm vergangenen Dienstag gaben der NASA-Chef Jared Isaacman und der Leiter des Mondbasisprojekts Carlos García-Galán neue Details bekannt. Es ging vornehmlich um die Vergabe von Aufträgen für zwei Vehikel, welche die Mobilität der Astronauten sicherstellen sollen. Den einen soll die kalifornische Firma Astrolab für 219 Millionen Dollar liefern, den anderen Lunar Outpost aus Colorado für 220 Millionen. Die Elektrofahrzeuge sollen sowohl bemannt als auch ferngesteuert als auch autonom unterwegs sein können.Eine andere Neuigkeit, die am Dienstag in Washington bekannt wurde, betrifft das Projekt „MoonFall“. Dabei handelt es sich um ein Geschwader aus Drohnen für Operationen über der Mondoberfläche. Die Geräte werden von der NASA selbst entwickelt und sollen am Mondsüdpol das Bauland auskundschaften. Interessant ist, was dann mit den Drohnen geschehen soll: „Wir hoffen, mit vier oder drei Monddrohnen einen Bereich (‚perimeter‘) um die Mondbasis einzurichten“, sagte García-Galán. „Wir werden sie an den Ecken der Gebiete platzieren können, in denen wir entweder wichtige wissenschaftliche Ziele vermuten oder wo wir die Mondbasis ausbauen wollen.“Wie war das mit dem Weltraumabkommen?Nach den sogenannten Artemis Accords, einem multilateralen, völkerrechtlich allerdings nicht bindenden Abkommen zwischen den USA und 66 weiteren Staaten zur Erschließung des Mondes, können Akteure auf dem Mond Sicherheitszonen („safety zones“) einrichten, in denen dann eine „schädliche Einwirkung“ von außen untersagt ist. Es ist allerdings nicht ganz klar, ob und, wenn ja, wie das mit dem – völkerrechtlich bindenden – Weltraumabkommen von 1967 zu vereinbaren ist, dem zufolge keine Nation auf dem Mond Souveränitätsrechte beanspruchen kann.Auf die Frage, ob denn mit dem „perimeter“ der MoonFall-Drohnen eine „safety zone“ abgesteckt werden soll, reagierte Isaacman am Dienstag ausweichend. „Wir wollen natürlich auch sehr aufmerksam sein im Hinblick auf den Weltraumvertrag, damit wir die anderen Nationen respektieren, die auf der Mondoberfläche Anlagen beziehungsweise Ausrüstung platzieren“, sagte Isaacman. „Wir würden erwarten, dass das auf Gegenseitigkeit beruht.“Den Transport der beiden Fahrvehikel zum Mond will die NASA dem Unternehmen Blue Origin anvertrauen, das zum Imperium des Amazon-Gründers Jeff Bezos gehört und bereits eine der bemannten Mondlandeinheiten baut. Der neue Auftrag steigert damit die Bedeutung der Firma für die amerikanischen Mondpläne.Diese hängen auch an Elon Musks Space X. Erstens stellt eine Version der Oberstufe der Schwerlastrakete Starship die andere Landeeinheit dar. Zweitens ist das Ziel einer permanent besetzten Mondbasis wohl nur zu erreichen, wenn die neuen wiederverwendbaren Schwerlastraketen zur Verfügung stehen – und unter ihnen ist das Starship am weitesten entwickelt. Starts mit konventionellen Raketen dürften auf die Dauer zu teuer sein.Starship ist indes längst nicht weit genug entwickelt, um eine permanent besetzte Mondbasis bereits im Jahr 2030 versorgen zu können. Diese Jahreszahl haben die Amerikaner nur darum so fest im Blick, weil da mit einer bemannten chinesischen Mission zum Südpol des Mondes zu rechnen ist. Peking könnte es aber bereits 2029 versuchen, wenn am 1. Oktober dieses Jahres die Volksrepublik den 80. Jahrestag ihrer Gründung begeht.
Die NASA will auf dem Mond Grenzen feststecken
Die NASA verkündet die Vergabe erster konkreter Aufträge für die Hardware ihrer geplanten Mondbasis. Daneben soll ein Satz Aufklärungsdrohnen später einen Sicherheitsbereich um die Basis markieren.











