Nicht, dass ich regelmäßig in Fünf-Sterne-Hotels ein- und ausgehe. Dieses Konzept liegt außerhalb meiner Lebensrealität. Mein letzter Besuch im Hotel Titanic am Gendarmenmarkt ist allerdings gar nicht lange her. Vor ein paar Monaten erst war ich hier – zugegebenermaßen auf Einladung. Im hoteleigenen Beef Grill Club by Hasir wurde mir ein neuer Küchenchef vorgestellt.

Warum ausgerechnet ein Steakhaus, das sich voll und ganz dem Fleisch verschrieben hatte, plötzlich einen Sternekoch für moderne deutsche Küche verpflichtete, leuchtete mir von vornherein nicht ein. Ich ging hin und mache es jetzt kurz: Maximal für das Tatar wäre ich wiedergekommen. Ansonsten schien mir der Abend ein großes Missverständnis. Anspruch und Umsetzung passten nicht zusammen. Und der Koch, das war schnell klar, hatte seinen Stern mit Sicherheit nicht für seine Grillkompetenz erhalten.

Malen nach Zahlen

Den Verriss habe ich Ihnen damals erspart. Auch aus Fairness dem Restaurant gegenüber. Weil ich es grundsätzlich sympathisch finde, wenn Gastronomien wenigstens versuchen, sich weiterzuentwickeln, statt immer nur kulinarisches Malen nach Zahlen zu betreiben.

Nun hat das Titanic am Gendarmenmarkt erneut etwas gewagt. Diesmal nicht halbgar, sondern richtig, haben sie sich gedacht. Der Beef Grill Club wurde aus dem klassischen Hotelrestaurant-Korsett befreit und in The Main umgetauft. Mit separatem Eingang, neuer Karte und neuem Konzept – weshalb ich schon wieder hingehe. Erneut eingeladen.