PfadnavigationHomePolitikDeutschland„Maybrit Illner“„Unverschämtheit der Union“ – Merz-Spekulationen setzen Kanzleramtschef unter DruckStand: 08:55 UhrLesedauer: 3 MinutenIm Umfeld von Bundeskanzler Friedrich Merz wächst der Ärger über Spekulationen zu einem möglichen Austausch an der Spitze der Union. „Das kommt fast einer Selbstdemontage innerhalb der Partei gleich“, sagt Politikwissenschaftler Oliver Lembke.Bei „Maybrit Illner“ zeigt sich die Nervosität der Union: Ausgerechnet in der Krise dringen Spekulationen über einen „Kanzlertausch“ nach außen. Kanzleramtschef Thorsten Frei müht sich um Schadensbegrenzung.Es sind die Gerüchte über Gedankenspiele in der Union, die den Anfang von „Maybrit Illner“ bestimmen. Angesichts der schwierigen Lage der schwarz-roten Koalition werde über einen „Kanzlertausch“ nachgedacht, heißt es. Als möglicher Kandidat wird Hendrik Wüst, CDU-Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen, genannt. „Es ist eine absurde These“, sagt Moderatorin Maybrit Illner. Aber das Umfeld des Kanzlers habe darauf reagiert. Die Idee zeuge von einer „gefährlichen Lust an der Zündelei“, hieß es aus dem Lager von Friedrich Merz (CDU). Diese „wüste Spekulation“ zeige eine bemerkenswerte Unkenntnis der Verfassung und der politischen Realität. „Wer gibt so etwas raus?“, will Illner von dem Mann wissen, der über die Geschäfte des Kanzleramts wacht. Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenAber Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) will keine Antwort liefern. „Also ich würde vor allem sagen, dass wir uns auf die Schwerpunkte der Herausforderungen, die wir haben, konzentrieren“, sagt er – und wird diese Entgegnung mehrmals in der Sendung wiederholen. Lesen Sie auchSeine Warnung: „Ich will vor allen Dingen eine solche unfruchtbare Debatte nicht weiter verlängern. Das bringt uns doch nirgendwohin.“ Der CDU-Politiker gesteht schlechte Umfragewerte für die Regierung ein, betont aber zugleich: „Das lösen wir doch nicht dadurch auf, dass wir über Personen quatschen.“Illner: „Liegen da die Nerven blank?“Moderatorin Illner lässt nicht locker, will wissen, woher diese Zitate stammen? Vom Kanzler selbst etwa? „Liegen da die Nerven blank?“Frei windet sich, spricht von einer Phase „hoher Anspannung“. „Sie haben vom Umfeld (des Kanzlers, Anm.) gesprochen, deswegen kann ich dazu letztlich nichts sagen“, betont Frei.Habe er die Zitate freigegeben, fragt Illner. Frei: „Nein, um Gottes Willen.“ An diesem Punkt kommt die Diskussion nicht weiter. „Als Bürger hat man doch irgendwann die Faxen dicke“, sagt Journalist Robin Alexander, Kolumnist für WELT AM SONNTAG. Merz „ist jetzt ein Jahr Kanzler und jetzt wieder eine innere Unionsdebatte anfangen bei der Lage, in der das Land ist …“. Es sei eine weitere Schleife, die den Unmut vertiefe. Dass Merz oder sein Team selbst reagierten, sei ein „weiterer handwerklicher Fehler“. Die Union habe die Pflicht, das Land zu regieren. „Das ist kein Spielplatz für Egos, das ist immer noch ein Land, das regiert werden muss. Und die Debatte, die wir jetzt die Tage hatten, braucht kein Mensch. Und ich glaube, da wird niemand gewinnen.“ Ob Wüst oder Merz sei kein inhaltliches Argument, es sei keine Richtungsentscheidung innerhalb der Union. „Es ist nur: Ich bin der Bessere. Und diese Frage mitten in einer Legislaturperiode am Anfang ist wirklich, ich hoffe, ich echauffiere mich nicht, aber von der Union eine Unverschämtheit.“Ricarda Lang kritisiert „komplette Instabilität“Grünen-Politikerin Ricarda Lang kritisiert: „Ich kann gerade wirklich nur sagen: Reißt euch endlich zusammen.“ Dass diese Debatte innerhalb der Union nach außen dringe, zeige „eine komplette Instabilität. Und ich finde ehrlicherweise auch eine Disziplinlosigkeit.“ Das Land benötige Reformen. „Es braucht eine gerechte Lastenverteilung, dass nicht Menschen mit mittleren Einkommen immer wieder die Zeche zahlen.“ Und es brauche Empathie für die Menschen im Land. Aber Merz regiere „von oben herab“ und zeige keinen Funken Empathie für diejenigen, die am stärksten von den Reformen betroffen seien. Auch Frei betont, man müsse sich jetzt auf gewaltige Herausforderungen konzentrieren. Entlastungen würden dort gebraucht, wo sie helfen, Wachstumskräfte zu entfalten. Reformen würden aber auch mit Einschnitten verbunden sein. „Wir müssen unangenehme Entscheidungen treffen“, sagt der Kanzleramtschef. mit dpa