Die volkswirtschaftlichen Statistiken für Deutschland weisen viel dynamisches Wachstum aus – nur leider allzu selten dort, wo man es sich wünscht. Zwei aktuelle Auswertungen liefern ein bezeichnendes Bild davon. Zum einen, und auf den ersten Blick erfreulich: Die Löhne der Arbeitnehmer steigen derzeit mit einem beachtlichen Tempo von gut vier Prozent pro Jahr. Damit kommt auch nach Abzug der Teuerung mehr bei den Begünstigten an, zumindest brutto. Zum anderen allerdings: Die Ausgaben für sozialstaatliche Geldleistungen steigen noch stärker, und zwar mit einem Tempo von rund sechs Prozent pro Jahr. Das ist weniger erfreulich, weil es den Bedarf an Steuern und Sozialbeiträgen weiter nach oben treibt.Wer vergeblich Arbeit sucht, hat nichts von höheren LöhnenUnd es wird noch unerfreulicher, wenn man die stärksten Ausgabentreiber in diesem Sozialstaat identifiziert. Denn dazu zählen derzeit die Ausgaben für Arbeitslosigkeit, die allein im vergangenen Jahr um fast zwanzig Prozent gewachsen sind. Sie sind zugleich das Spiegelbild einer Krise am deutschen Arbeitsmarkt, die sich in wachsendem Maße selbst verstärkt. Der Anstieg der Lohn- und Arbeitskosten kann diejenigen erfreuen, die sichere Arbeitsplätze haben. Aber gleichzeitig gibt es immer mehr Arbeitslose und Berufseinsteiger, denen der Zugang zu Arbeitsplätzen und Lohnerhöhungen versperrt bleibt.Die zentrale Fehlstelle im statistischen Gesamtbild bleiben das fehlende Wirtschaftswachstum und fehlendes Vertrauen, dass Deutschland ein guter Standort ist, um mit privaten Investitionen ins Risiko zu gehen. Eine entscheidende Fehlstelle in der politischen Beurteilung dieses Bilds kommt aber noch hinzu: Es mangelt an der Bereitschaft, anzuerkennen, dass beschleunigt steigende Arbeits- und Sozialstaatskosten eine zentrale Ursache der Misere sind. Bei stagnierender Wertschöpfung können Sozialausgaben und Löhne nicht dauerhaft mit Raten von vier bis sechs Prozent wachsen. Und wer Löhne, etwa mit wirtschaftsblinder Mindestlohnpolitik, dennoch in diesem Tempo hochtreibt, erntet dafür noch höhere Erwerbslosigkeit; mit noch höheren Sozialstaatskosten als Folge. Ohne diese Einsichten wird der Regierungskoalition keine Trendwende zurück zu mehr Wohlstand im Land gelingen.
Arbeitskosten: Wie der Sozialstaat soziale Sicherheit gefährdet
Die Wirtschaft stagniert, aber Löhne und Sozialausgaben steigen um mehr als vier Prozent pro Jahr. Das kann so nicht lange aufgehen – es ist ein Rezept für steigende Arbeitslosigkeit.
















