Meinung

UBS und die Schweiz – der geopolitische Epochenwandel als Risiko und Chance Die Grossbank wehrt sich vehement gegen die von der Schweizer Regierung vorgeschlagenen Kapitalvorschriften. Doch die UBS sollte nicht der Illusion verfallen, sie könne die US-Grossbanken auf ihrem Territorium schlagen. Eine Rückbesinnung auf das Kerngeschäft, das Wealth Management, wäre vernünftig. Die globale Wirtschaftsordnung befindet sich in einer Phase epochalen Umbruchs und zunehmender geografischer Fragmentierung. Strategische Rivalitäten zwischen den USA und China, Kriege in der Ukraine und am Persischen Golf, Sanktionsregimes sowie Handels- und Zollkonflikte verändern die Rahmenbedingungen fundamental. Für global systemisch relevante Banken (G-SIB), zu denen auch die UBS zählt, gewinnt damit die Politisierung von Währungs- und Kapitalströmen massiv an Bedeutung.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das amerikanische Finanzsystem dominiert weiterhin mit dem Dollar als führender Reserve- und Transaktionswährung. Die Tatsache, dass die US-Regierung diese Macht zunehmend unilateral und oft arbiträr einsetzt, schafft für nicht-amerikanische Finanzakteure schwer kalkulierbare Risiken und potenzielle Erpressbarkeiten.Für eine UBS gilt dies umso mehr, da die kleine Schweiz – anders als etwa die Eurozone mit der EZB – über keine reziproken Druckmittel gegenüber den USA verfügt. Die Geschichte zeigt zudem, dass Schweizer Grossbanken in Finanzkrisen regelmässig zu den Verlierern gehörten.Auf der Risikoseite führen geopolitische Konfrontationen zu höherer Marktvolatilität und gleichzeitig setzt die Trump-Regierung auf eine fortgesetzte Deregulierung des Bankensektors, dies bei historisch hoher und weiter steigender Staatsverschuldung.An diesem «Race to the Bottom»-Deregulierungswettbewerb kann und soll die Schweiz nicht teilnehmen.UBS: Chancen für Wachstum und AktienkursDie Faktenlage ist ebenso klar wie brutal: Keine Schweizer Grossbank hat es seit den Achtzigerjahren geschafft, nachhaltig steigendes Wachstum, Profitabilität und Aktienperformance zu erzielen. Hauptursache für die Rückschläge waren die jeweils wertvernichtenden Aktivitäten im US-Investmentbanking verbunden mit völlig überteuerten Firmenübernahmen.Ziel der Schweizer Regierung ist es mit den Vorschlägen zur Bankenstabilität, künftige Risiken für die Schweiz, die Steuerzahler und die Volkswirtschaft in einem vertretbaren Rahmen zu halten. Der politische Diskurs hierzu ist jedoch stark polarisiert und von Silodenken, Partikularinteressen und Fehlbeurteilungen geprägt.Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich, den Aktienkurs als den verlässlichsten Indikator für die finanzielle Entwicklung einer Grossbank heranzuziehen. Allerdings ist die Beobachtung von Kapitalmarktindikatoren wie Aktienkursen und Credit Default Swaps bei der Trinität aus Finanzdepartement (EFD), Schweizerischer Nationalbank (SNB) und der Aufsichtsbehörde Finma nicht institutionalisiert. Andernfalls wäre es im Frühjahr 2023 kaum zum vorhersehbaren und letztlich selbstverschuldeten Zusammenbruch der Credit Suisse gekommen.Im Gegensatz dazu war die UBS vor drei Jahren strategisch und professionell bestens vorbereitet. Dies erlaubte der Bank, bei der Übernahme der Credit Suisse die Konditionen weitgehend zu diktieren und den Deal des Jahrhunderts zu realisieren. Die Schweizer Politik und Behörden waren so gleichermassen überrascht und überfordert, dass sie zu Notrecht griffen und wichtige Investorenrechte und wettbewerbsrechtliche Fragen in den Hintergrund drängten.Eine fakten- und datenbasierte Kapitalmarktsicht dient der Versachlichung des Diskurses. Zu den erfolgreichsten grossen europäischen Universalbanken der letzten fünf Jahre – gemessen an Aktienkursentwicklung inklusive Dividenden – zählen UniCredit, Santander, BBVA, BNP Paribas, Intesa Sanpaolo, Société Générale, Deutsche Bank, CaixaBank, UBS und ING.Offensichtlich sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren Managementqualität und Geschäftsstrategie – und nicht die Präsenz im US-Markt, regulatorische Besonderheiten oder spezifische Kapitalunterlegung. Das beste Beispiel hierfür liefert UniCredit-CEO Andrea Orcel, der den Unternehmenswert innerhalb von fünf Jahren versechsfachte – und dies ohne ein grosses Engagement im US-Markt.Die Erfahrungen zeigen, dass Bilanzexpansion und risikointensives Investmentbanking zwar temporär hohe Gewinne generieren können, langfristig jedoch unvertretbare systemische Risiken schaffen. Die UBS sollte sich deshalb entlang eines disziplinierten Geschäftsmodells mit Fokus auf wiederkehrende Erträge, hohe Kapitalrenditen und kontrollierte Risiken positionieren.Im Zentrum stehen kapitalleichte Geschäftsfelder wie Wealth Management, Asset Management, Advisory Services und komplementäre Kapitalmarktaktivitäten mit Kundennutzen und hoher Wertschöpfung. Eine starke Bilanz und hohe Kapitalunterlegung beeinträchtigen in diesen genannten Geschäftsfeldern die Profitabilität nicht zwangsläufig. Vielmehr wirken sie vertrauensbildend und ziehen Kunden sowie Geschäfte an – insbesondere in einer Welt hoher und weiter steigender Schulden und Fiskaldefizite.Positionierung als führender VermögensverwalterDas globale Wealth Management bildet den strategischen Kern der UBS und gleichzeitig ihre grösste strukturelle Stärke. Zusätzlich profitiert die Bank vom Status der Schweiz – ein politisch stabiler Staat mit soliden Staatsfinanzen und einer starken Währung.Vor diesem Hintergrund ist auch die Diskussion über eine angedrohte Sitzverlegung der UBS ins Ausland unrealistisch – ausser im Fall einer Übernahme. Dies gilt trotz der Tatsache, dass die Mehrheit der UBS-Aktionäre schon längst nicht mehr in der Schweiz beheimatet sind.Weltweit steigen private Vermögen langfristig weiter an, insbesondere im Segment der «Ultra High Net Worth Individuals», Unternehmerfamilien und Family Offices. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach internationaler Beratungskompetenz und Diversifikation, generationsübergreifender Vermögensplanung und globaler Kapitalallokation.Das sind alles Geschäftsfelder, in denen die UBS über traditionelle Wettbewerbsvorteile und eine starke globale Marke verfügt.Geografischer Fokus auf Europa, Mittleren Osten und AsienDie USA bleiben zwar der wichtigste globale Kapitalmarkt, gleichzeitig ist der Wettbewerb dort aber kapitalintensiv und wird von amerikanischen Grossbanken mit strukturellen Grössenvorteilen dominiert. So konnte historisch betrachtet noch nie eine europäische Bank die amerikanischen Finanzkolosse in ihrem Heimmarkt je konkurrenzieren oder dauerhaft attraktive risikoadjustierte Renditen erzielen.Das bedeutet für die UBS keinen vollständigen Rückzug aus den USA, sondern eine gezielte Priorisierung jener Geschäftsbereiche, die globale Kundenbeziehungen unterstützen und nachhaltig profitabel arbeiten können.Langfristig wichtig bleiben der Nahe Osten und Asien, wo Singapur, Hongkong, Indien und Südostasien zu den dynamischsten Wachstumsmärkten in der Vermögensverwaltung zählen. Die UBS ist in diesen Regionen traditionell stark positioniert und verfügt über eine attraktive Plattform für Unternehmerfamilien, internationale Investoren und grenzüberschreitende Kapitalstrukturen.Die geografische Reallokation von Ressourcen soll langfristig zu höheren Wachstumsraten, besseren Kapitalrenditen und geringerer strategischer Abhängigkeit vom US-Wettbewerbsumfeld führen.Die UBS verfügt heute über eine einzigartige Kombination aus globaler Reichweite, Kapitalmarktkompetenz und Vermögensverwaltung eingebettet in einem umfassenden Schweizer Ökosystem bestehend aus Privatbanken, Vermögensverwaltern und Versicherungen. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, sich als zentrale europäische Plattform für Wealth Management, internationale Kapitalmarkttransaktionen und institutionelle Beratung zu etablieren.Heimvorteil SchweizIn einer zunehmend unsicheren Welt gewinnen politische Stabilität, institutionelle Kontinuität, Rechtsstaatlichkeit und Währungsstabilität weiter an Bedeutung. Genau diese Eigenschaften machen die Schweiz zu einem der attraktivsten internationalen Standorte in der Vermögensverwaltung.UBS kann diese Position gezielt nutzen. Gleichzeitig gilt es aus politischer Sicht, regulatorische Rahmenbedingungen und Kapitalanforderungen so auszugestalten, dass sie auf die Institution selbst und nicht auf das jeweilige Management zugeschnitten sind: So erfolgreich der heutige Kurs unter Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher und CEO Sergio Ermotti auch ist, haben massive Fehlleistungen und Selbstüberschätzungen früherer Firmenleitungen bei Bankverein, UBS und Credit Suisse zu schweren Verlusten im US-Investmentbanking geführt, welche den Schweizer Finanzplatz bereits zwei von drei Grossbanken gekostet haben.Zudem ist festzuhalten, dass UBS faktisch über eine Staatsgarantie verfügt. In einer existenziellen Krise könnte die Bank weder abgewickelt noch den Märkten überlassen werden. Das ist eine Tatsache. Da es in der Schweiz keine zweite, grössere Grossbank mehr gibt, müsste UBS im Ernstfall entweder vorübergehend verstaatlicht oder von einer ausländischen Grossbank übernommen werden.Die langfristige Attraktivität der UBS – aber auch das Risiko für die Schweiz – wird deshalb nicht allein an ihrer Grösse gemessen werden, sondern daran, ob sie Wachstum, Profitabilität und Stabilität dauerhaft miteinander verbinden kann.Beat Wittmann Beat Wittmann ist seit 2015 Chairman und Partner der Zürcher Corporate Advisory Firma Porta Advisors sowie Vice Chairman der Münchner Solutio AG, einer auf Privatmärkte spezialisierten Investmentgesellschaft. Zudem ist er Mitgründer und Kuratoriumsmitglied des Sovereign Europe Forum. Er verfügt über mehr als 35 Jahre Erfahrung im internationalen Kapitalmarktgeschäft, unter anderem bei UBS, Credit Suisse/Clariden Leu, Julius Bär und der Raiffeisen Gruppe. 1985 schloss er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel mit einem Master ab.