KommentarTrump verabreicht den amerikanischen Banken einen «Zuckerschock»: Damit wächst der Wettbewerbsnachteil für die UBSWeniger Kapitalpuffer, weniger Aufseher: Die USA deregulieren ihren Finanzplatz. Für die Schweiz und die UBS kommt der Kurswechsel der Amerikaner im ungünstigsten Moment.30.05.2026, 05.30 Uhr3 LeseminutenUS-Präsident Donald Trump bei einer Sitzung des Kabinetts im Weissen Haus am 27. Mai 2026.Evan Vucci / ReutersJamie Dimon hat ein Luxusproblem: Was soll er mit den über 40 Milliarden Dollar an Kapital tun, die seine Bank JP Morgan plötzlich zur freien Verfügung hat? An einem Branchenanlass am Mittwoch sinnierte der Doyen der Wall Street, dass JP Morgan bis zu 20 Milliarden Dollar für eine Übernahme ausgeben könnte – wenn sich denn ein gutes Ziel finde. Dimon weiss, wie das geht. JP Morgan wurde unter ihm zur weltgrössten Bank, weil er sich in Krisen bankrotte oder stark angeschlagene Konkurrenten günstig einverleibte.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bis jetzt ist noch kein Ziel in Sicht. Dimon beglückt stattdessen die Aktionäre mit rekordhohen Ausschüttungen, nachdem die Bank für 3 Milliarden Dollar ein 423 Meter hohes neues Hauptquartier in Midtown Manhattan gerammt hat. Auch andere amerikanische Banken geben Geld an Aktionäre zurück, als gäbe es kein Morgen.Milliarden werden freigesetztEinerseits laufen die Geschäfte ausgezeichnet, andererseits profitieren die amerikanischen Finanzinstitute unter der Trump-Administration von einer grossangelegten Deregulierung. Die Finanzkrise, die für den letzten Regulierungsschub sorgte, ist achtzehn Jahre her. Die Erinnerung an die Katastrophe verblasst mit jedem alten Haudegen, der den New Yorker Finanzplatz verlässt. Vor zehn Tagen ist der erfahrene frühere Finanzpolitiker Barney Frank gestorben, der 2010 die Dodd-Frank-Act geprägt hat, das riesige Gesetzeswerk, das weitere Finanzkrisen verhindern sollte.Jetzt haben Trump und seine Aufseher Franks Gesetz entkernt und darüber hinaus die Kapitalanforderungen für amerikanische Banken reduziert. Diese haben sich lange darüber beklagt, dass ihre Kunden wegen zu strikter Regeln keine Kredite bekommen und Geschäfte einfach an Schattenbanken ausgelagert werden. Nun stehen den Banken Milliarden von Dollar an Kapital zur freien Verfügung, die vorher als Sicherheitspolster dienten und weggesperrt waren.Wie eine Übersicht der Beratungsfirma Alvarez & Marsal zeigt, lockern im Schlepptau der Amerikaner auch die Briten die Kapitalanforderungen für ihre Banken. Für die kontinentaleuropäischen Banken, die punkto Börsenbewertung ohnehin schon hinter den Amerikanern zurückliegen, ist das eine schwierige Situation. Sie müssen den Konkurrenten interessantes Geschäft überlassen, weil ihre Regulatoren auf die Bremse treten.Die Schweiz geht einen anderen WegIn besonderem Ausmass gilt das für die UBS, die ihr Kernkapital in den kommenden Jahren voraussichtlich deutlich aufstocken muss, um die neuen «Too big to fail»-Anforderungen zu erfüllen.Der Bundesrat verweist auf den Untergang der Credit Suisse und will mit den besonders strengen Kapitalvorschriften verhindern, dass der Staat eines Tages auch die verbleibende Grossbank retten muss. Die UBS argumentiert – bis jetzt vergeblich –, dass sie in gewissen Bereichen international nicht mehr konkurrenzfähig wäre.Amerikas Deregulierung kommt aus Schweizer Sicht in einem ungünstigen Moment. Würden die anderen westlichen Finanzplätze in dieselbe Richtung ziehen wie die Schweiz, liessen sich Zusatzauflagen für den helvetischen Finanzplatz verkraften. Doch die weitgehenden Lockerungen in den USA erhöhen den Wettbewerbsdruck.Die amerikanischen Grossbanken müssen künftig nicht nur weniger Kernkapital halten, sondern profitieren auch davon, dass die Trump-Regierung Stresstests entschärfen lässt und sie die Aufseher anweist, den Finanzinstituten generell weniger in die Parade zu fahren.Die Lockerungen sorgen zwar auch in den USA für Kritik. Der Fed-Gouverneur Michael Barr – unter Joe Biden noch Vorsteher der Bankenaufsicht der amerikanischen Zentralbank – warnt regelmässig davor, dass der Regelabbau zu einem wenig nachhaltigen «Zuckerschock» für die amerikanische Wirtschaft führen werde. Und dass die Aufseher die Fähigkeit verlieren könnten, sich anbahnende Krisen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.Die Gefahr, dass in Amerika gerade die Basis für die nächste Finanzkrise gelegt wird, ist real. Doch die Trump-Regierung wird ihre Haltung zur Bankenregulierung nicht ändern, und die amerikanischen Banken können derweil ihren Vorsprung ausbauen. Die Schweizer Politik muss sich der Frage stellen, wie viele Wettbewerbsnachteile sie dem Finanzplatz aufbürden kann.Passend zum Artikel
Amerikas Lockerungen treffen Schweizer Banken zur ungünstigsten Zeit
Weniger Kapitalpuffer, weniger Aufseher: Die USA deregulieren ihren Finanzplatz. Für die Schweiz und die UBS kommt der Kurswechsel der Amerikaner im ungünstigsten Moment.







