Diesen Ort werden die Berliner in den kommenden Monaten wieder besonders zu schätzen wissen: Das Stabi-Kulturwerk Unter den Linden, dieses der Staatsbibliothek angeschlossene Museum mit freiem Eintritt, ist so kühl und dunkel, dass man dort gut eine Sommerpause einlegen kann. Und die ist auch noch überaus lehrreich, sind dort doch Schätze des Hauses von 1661 an mit knappen, hochinformativen Erklärungen präsentiert. Eine kleine Sonderausstellung führt in die jüngste Vergangenheit und wartet versteckt am Ende der Hauptpräsentation, als wäre sie eine Fußnote. Aber Fußnoten können bekanntlich ganze Welten öffnen.

Der Mann, der in der Vitrinenwand geehrt wird, würde darüber vermutlich sanft lächeln. Denn die Art der Darbietung passt durchaus zu ihm, der jahrzehntelang das klassische Unterm-Strich-Genre der Zeitungen mit kleinen großartigen Texten gefüllt hat: Heinz Knobloch, einer der Mitbegründer und langjähriger Redakteur der in der DDR äußerst beliebten Zeitung Wochenpost. Ein Titelblatt aus dem Jahr 1987 ist ausgestellt, außerdem eine Innenseite.

Auf jener Seite im Kulturteil der Wochenzeitung erschienen von Dezember 1968 bis April 1988 genau eintausend Texte von Heinz Knobloch unter dem Reihentitel „Mit beiden Augen“, versehen mit einer Illustration von Wolfgang Würfel. Knobloch war jahrzehntelang der unumstrittene Meister der kurzen journalistisch-literarischen Form, von Kollegen geschätzt, von Lesern bewundert. Er schrieb dort in leichtem Ton, stilistisch genau gearbeitet, Alltagsbegebenheiten auf, notierte berlingeschichtliche Entdeckungen und holte historische Persönlichkeiten aus dem Vergessen.