Eine Auswahl des Regimes: Der iranische Staatsapparat vereinnahmt das Fussballnationalteam bereits vor der WMWährend Exiliraner in den USA Kundgebungen vorbereiten, verlegt der iranische Fussballverband das WM-Quartier des Teams nach Mexiko.Ronny Blaschke28.05.2026, 16.00 Uhr3 LeseminutenDie iranische Fussballnationalmannschaft wird am 13. Mai in Teheran verabschiedet – es geht erst in die Türkei, dann an die Weltmeisterschaft in den USA.Majid Asgaripour / Wana via ReutersLange war unklar, ob die iranische Fussballnationalmannschaft an der Weltmeisterschaft teilnehmen und ihre drei Vorrundenspiele in den USA bestreiten kann. Immerhin hatte die US-Regierung iranische Staatsbürger pauschal mit einem Einreiseverbot belegt. Und auch das iranische Regime hatte zwischendurch eine WM-Teilnahme ausgeschlossen. Zurzeit aber befindet sich die Mannschaft für Visumsangelegenheiten und ein Trainingslager in der Türkei.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Die Vorbereitungen laufen, sportlich und politisch. Mitte Mai empfing der iranische Präsident Massud Pezeshkian die Nationalspieler in Teheran und stellte ihnen für eine erfolgreiche WM stattliche Belohnungen in Aussicht. Der Sportminister Ahmad Donyamali lobte den «Realismus» der Spieler. Ein Begriff, der in Kundgebungen von vermeintlich loyalen Anhängern häufig fällt. Regimegegner übersetzen «Realismus» allerdings mit Schweigen und Unterwürfigkeit, nachdem im Januar wohl mehr als 30 000 Menschen bei Protesten getötet worden sind.Nach ihrem Besuch im Präsidentenpalast trat die iranische Mannschaft auf dem Revolutionsplatz auf. Mit dabei: hochrangige Vertreter der Ministerien, des Militärs und der Revolutionswächter. Die Nationalhymne wurde von Parvaz Homay vorgetragen. Der Sänger tritt oft bei staatlichen Veranstaltungen und Gedenkfeiern auf.Nicht die Spieler sind eine «Gefahr», sondern das PublikumDie Islamische Republik will offenbar um jeden Preis verhindern, dass die Spieler bei der WM ein Zeichen des Protests aussenden wie jenes der iranischen Fussballerinnen, die bei der Asienmeisterschaft im März in Australien bei ihrem ersten Spiel auf das Singen der Hymne verzichtet haben. Sieben Spielerinnen beantragten später humanitäres Asyl. Fünf von ihnen zogen ihre Anträge wieder zurück, doch das Thema prägte die internationalen Medien über Wochen.Aus Sicht der Islamischen Republik stellen nun bei der WM in den USA weniger die Spieler eine «Gefahr» dar, sondern eher das Publikum. Die iranische Mannschaft bestreitet die ersten beiden Spiele ihrer Gruppe G gegen Neuseeland und Belgien in Los Angeles, im Süden von Kalifornien, wo schätzungsweise 500 000 Menschen iranischer Herkunft leben. Rund um den «Persian Square» im Westen von LA haben sich iranische Geschäfte und Restaurants angesiedelt. Seit der Islamischen Revolution 1979 produzieren Exiliraner hier Bücher, Filme und Lieder, die dann auch nach Iran geschmuggelt wurden.Seit Monaten bereiten Initiativen der Diaspora Kundgebungen rund um das Stadion von Los Angeles vor. Dabei wollen sie eines ihrer wichtigsten Symbole zeigen: die vorrevolutionäre Flagge mit dem goldenen Löwen. Die Fifa jedoch verbietet diese Fahne und auch andere Protestbotschaften in den Stadien. Mehrere Exiliraner kündigten an, die historische Fahne ins Stadion schmuggeln zu wollen. Doch sie fürchten auch, dort von Informanten der Islamischen Republik beobachtet zu werden. Was dann wiederum ihren Familien in Iran schaden könnte.Das iranische WM-Quartier ist neu in MexikoWas kann Teheran in den USA der Diaspora entgegensetzen? Exilmedien berichten, dass der iranische Fussballverband, das Sportministerium und die Revolutionswächter Anfang des Jahres ein gemeinsames Projekt gestartet haben. Sie wollen die Reisen von regimenahen Zuschauern in die Stadien organisieren und finanzieren. Wie genau sie rechtzeitig ein Visum erhalten, ist unklar.Der iranische Fussballverband wird improvisieren müssen. So wie am Wochenende, als er das WM-Quartier der Nationalmannschaft von Tucson im Bundesstaat Arizona kurzfristig in das mexikanische Tijuana verlegte. Offenbar, weil auch die US-Regierung gegen die Beherbergung interveniert hatte. Tijuana liegt an der Grenze zu den USA. Nah genug, um die Spiele in LA mit einem kurzen Flug zu erreichen. Und weit genug entfernt von möglichen Protesten.Passend zum Artikel
Der iranische Staatsapparat vereinnahmt das Fussballnationalteam bereits vor der WM
Während Exiliraner in den USA Kundgebungen vorbereiten, verlegt der iranische Fussballverband das WM-Quartier des Teams nach Mexiko.














