Eine Langzeitstudie der Dresdner Hochschulmedizin belegt, dass eine frühzeitige, an molekularen Markern ausgerichtete Behandlung den Verlauf bestimmter Leukämie-Erkrankungen beeinflussen kann. Die nun vorliegenden Daten der RELAZA2-Studie gelten laut den beteiligten Forschern als weltweit erste Ergebnisse einer prospektiven, durch messbare Resterkrankung (MRD) gesteuerten Untersuchung bei verschiedenen Formen von Blutkrebs. Konkret wurde der Verlauf bei myelodysplastischen Syndromen (MDS) und akuter myeloischer Leukämie (AML) untersucht. Beim MDS handelt es sich um eine Vorstufe von Leukämie, bei der die Bildung gesunder Blutzellen im Knochenmark gestört ist. AML gilt als aggressive Form von Blutkrebs, die ohne rasche Behandlung meist schnell voranschreitet.

Im Zentrum des Ansatzes steht die sogenannte MRD-Diagnostik: Über molekulare Bluttests werden auch kleinste Mengen verbliebener Krebszellen aufgespürt. Deuten diese auf einen drohenden Rückfall hin, wird die Therapie eingeleitet, noch bevor klinische Symptome auftreten. Erste Ergebnisse der multizentrischen Studie waren bereits 2018 veröffentlicht worden, nun liegen umfassende Langzeitdaten vor.

Die Wurzeln des Programms reichen bis ins Jahr 2005 zurück. Damals begann eine Pilotstudie zur MRD-gesteuerten Behandlung bei AML-Patienten, die blutbildende Stammzellen von einem gesunden Spender, wie beispielsweise einem Familienmitglied oder auch einem Fremdspender, erhalten hatten. In Fachkreisen wird diese Behandlung auch als allogene Stammzelltransplantation bezeichnet. Später wurde der Ansatz auf Erkrankte mit NPM1-mutierter AML nach konventioneller Therapie ausgeweitet. Bei der NPM1-mutierten AML handelt es sich um eine genetisch definierte Form von AML, die etwa ein Drittel der AML-Fälle bei Erwachsenen ausmacht. Sie gilt prognostisch als eine der günstigeren Varianten, da sie gut auf Therapien anspricht.