Berlin verliert eine seiner bekanntesten touristischen Adressen am Rosenthaler Platz. Das Circus-Hotel wird Ende Oktober an diesem Ort seine Türen schließen. Die Mitarbeiter sind bereits informiert. Es ist das vorläufige Ende eines Kapitels für ein Haus, das wie wenige andere den Aufstieg Berlins zur europäischen Touristenmetropole begleitet und geprägt hat. Von der Schließung ausgenommen bleibt das benachbarte Hostel der gleichen Betreibergruppe.Der unmittelbare Auslöser für das Ende am jetzigen Standort liegt in der Immobilie selbst. Das Objekt sei sanierungsbedürftig, sagt Mitbegründer Andreas Becker, der Eigentümer jedoch nicht zu entsprechenden Investitionen bereit. Angesichts der allgemeinen Marktlage lohne sich eine eigene, nachhaltige Investition für die Betreiber nicht mehr. Man suche nun nach einer neuen Immobilie, um Hotel und Hostel künftig wirtschaftlicher unter einem Dach vereinen zu können.

Hohe Personal- und Energiekosten

Die Gründe für den Rückzug sind jedoch vielschichtig und spiegeln auch die aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krisen der Hauptstadt wider. Auf der rein betriebswirtschaftlichen Ebene nennt Andreas Becker eine toxische Mischung aus strukturellen Nachteilen für Einzelbetreiber. Die Personalkosten seien vor allem durch die massiven Mindestlohnerhöhungen rasant gestiegen, hinzu kämen inflations- und kriegsbedingte Preissteigerungen für Energie, Wasser und Wärme.Zudem drückten die Provisionen von Online-Reisebüros. Bis zu 18 Prozent des generierten Umsatzes verlangten Plattformen wie Booking.com – ein laut Becker geschäftsschädigendes Maß, das große Hotelketten dank direkter Verträge und um bis zu sechs Prozentpunkte niedrigerer Provisionen umgehen könnten. Ein starker Kostentreiber ist die erhebliche City Tax von nun 7,5 Prozent auf alle Übernachtungen.