Wie viel Moderne verträgt die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame de Paris? Jenes Pariser Wahrzeichen, das der Sonnenkönig im 17. Jahrhundert erbauen ließ?

Der Schock des brennenden Gotteshauses am 15./16. April 2019 sitzt den Franzosen noch immer in den Knochen. Nach nur fünf Jahren (Chapeau!) ließ der Wiederaufbau-Ehrgeiz der Grand Nation, insbesondere als Chefsache ihres Präsidenten Macron, die Kirche denkmalgetreu neu erstehen. Am 8. Dezember 2024 wurde sie in einem staatlichen Hochamt neu geweiht.

Sehenswürdigkeit

Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris

Ende gut, alles gut? Mitnichten. Gerade eskaliert der schon länger schwelende Streit um die neuen Glasfenster, entworfen von der 44-jährigen Künstlerin Claire Tabouret, deren Figurenszenen unübersehbar auch auf die Stilistik der frühen französischen Moderne abheben, etwa lose expressive Pinselstriche und eine feine, spannungsreiche Farbpalette. Eine Oppositionsfront von „klerikalen Traditionalisten und antiklerikalen Bewahrern des Alten“ (Le Monde) will das Projekt blockieren. Die einst vom Architekten Viollet-le-Duc bei der Rekonstruktion im 19. Jahrhundert eingesetzten Fenster im feierlichen gotischen Stil dürften keinesfalls durch moderne Fenster ersetzt werden.