Wie sich die Stromrechnung drücken lässt, haben Millionen Haushalte im Land längst herausgefunden. Solarmodule aufs Dach, Stromspeicher dranhängen – und schon lässt sich richtig Geld sparen. Wenn die Sonne mal nicht scheint, gibt es ja immer noch den Strom aus dem Netz. Dass darin auch eine klitzekleine Ungerechtigkeit steckt, war den meisten nicht klar, oder es kümmerte sie nicht. Denn wer Strom überwiegend selbst erzeugt, lässt für das Netz andere zahlen. Jedenfalls noch.Die Bundesnetzagentur arbeitet gerade an einer Neuregelung der Netzentgelte, jetzt hat sie einen Zwischenstand vorgelegt. Demnach sollen Besitzer privater Solaranlagen künftig mehr für das Stromnetz zahlen. Bisher richten sich die Entgelte vor allem nach dem Stromverbrauch: der Beitrag zum Stromnetz bemisst sich nach verbrauchten Kilowattstunden. Wer dagegen vor allem eigenen Strom konsumiert, zahlt entsprechend weniger – profitiert aber von der Sicherheit eines Stromnetzes. Weshalb die Netzagentur von 2029 an einen höheren Grundpreis für diese „Prosumer“ vorsieht, Betreiber von Steckersolargeräten ausgenommen.Der Grundpreis ist jene Komponente der Netzentgelte, die unabhängig vom Verbrauch ist. Voraussichtlich unter 100 Euro im Jahr werde dieser Solar-Grundpreis betragen, allerdings regional unterschiedlich. „Das ist ein Gebot der Fairness“, sagt Netzagentur-Chef Klaus Müller. „Sonst würden zunehmend nur Verbraucher ohne eigene Erzeugung die Kosten tragen.“Über ein „Einspeiseentgelt“ sollen große Stromerzeuger an den Kosten beteiligt werdenAuch große Stromerzeuger wie Windparks oder Kraftwerke sollen sich künftig an der Finanzierung der Stromnetze beteiligen; perspektivisch auch große Stromspeicher. Die Behörde plant ein „Einspeiseentgelt“, das zwischen vier und sieben Euro je Kilowatt betragen soll. Ein Windrad mit fünf Megawatt Leistung müsste so zwischen 2000 und 3500 Euro im Jahr zahlen, ein Gaskraftwerk mit 500 Megawatt zwischen zwei und 3,5 Millionen Euro. Auf die Marktpreise für Strom schlage das kaum durch – doch zu jährlich 37 Milliarden Euro Netzkosten könnte dies zwei Milliarden Euro beisteuern. Bestandsanlagen sollen dieses Entgelt erst zahlen müssen, wenn sie älter als 20 Jahre sind.Und auch die Kostenverteilung zwischen den Netzbetreibern will die Netzagentur neu regeln, was einzelne Regionen be-, andere entlastet. So sollen die Kosten besser abbilden, wie viel Strom in den Regionen tatsächlich verbraucht wird. Netzentgelte machen derzeit rund 30 Prozent der Stromrechnung aus. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs braucht es allerdings von 2029 an neue Regeln dafür. Bis Ende des Jahres soll der Rahmen, nach einer förmlichen Konsultation, grob stehen.Und auch die nächste große Reform zeichnet sich ab: Zwischen 2030 und 2035 will die Bonner Behörde „dynamische Netzentgelte“ einführen. In Zeiten, in denen besonders viel Ökostrom fließt, die Netze punktuell also stark belastet sind, sollen auch die Netzentgelte höher sein – als Anreiz, Strom lieber zu speichern als einzuspeisen. Es gehe darum, knappe Kapazitäten mit einem Preis zu versehen, sagt Behördenchef Müller. „Die Systematik der Netzentgelte wird der Energieversorgung der Gegenwart und Zukunft nicht mehr gerecht.“