Zur Abwechslung mal eine gute Nachricht aus Berlin: Die Stadt hat ihre berühmte „Mokka-Milch-Eisbar“ zurück. Berühmt wurde die durch den gleichnamigen Schlager von Thomas Natschinski und seine Gruppe aus dem beschwingten Jahr 1968: „In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n / in der Mokka-Milch-Eisbar, da ist es gescheh’n.“YouTubeDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von YouTube angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von YouTube angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Legendär war sie aber schon wegen Architektur und Adresse: Karl-Marx-Allee 35. Bis kurz vor Baubeginn der Eisbar hieß die noch Stalinallee und sah auch so aus – Arbeiterpaläste im Stil der „nationalen Tradition“, eigentlich aber nach Moskauer Vorbild. Mit den Sechzigerjahren kam der neue Name und der neue Look, international und modern. Vor minimalistische Plattenbauriegel stellte man elegante, luftige Pavillons. Der Chef der hier tätigen Architektentruppe war nach dem Krieg eine Weile Opernsänger gewesen und hatte Sinn für große Auftritte.„Mokka*Milch“ erhebt den Anspruch, Berlins erster „dritter Ort“ zu seinIm „Café Moskau“ wurde getafelt, gegenüber in der „Mokka-Milch-Eisbar“ neben dem Kino International kam man sich näher, haben sich viele Ostberliner zum ersten Mal gesehen, war es um viele von ihnen geschehen. Bis zur Schließung kurz nach der Wende ging man sogar zum Tanz in die „Mokke“. Dabei war schon „Mokka-Milch-Eisbar“ eine Abkürzung. Der volle Name lautete „Mokka-Milch-und-Eis-Bar“ und war wahrscheinlich selbst Thomas Natschinski zum Trällern zu lang.So modisch wie damals offensichtlich der Bindestrich war, ist heute der Asterisk, das sogenannte Sternchen. Die in den lange leer stehenden Räumen soeben wiedereröffnete Mokka-Milch-Eisbar nennt sich „Mokka*Milch“ und gibt sich auch sonst streng zeitgemäß: „Mokka*Milch ist der Ort, an dem Berlin wirklich zusammenkommt – um sich zu verbinden, Veränderung zu gestalten und zu feiern“, heißt es auf der Website. Man wolle „Restaurant, Café, Bar, Coworking-Space, Eventlocation und Community-Hub“ sein und außerdem „Berlins ‚erster dritter Ort‘ wo Menschen, Ideen und Freude aufeinandertreffen“.Technische Universtität:Wie Corona, nur halt BerlinWegen „erheblicher baulicher Mängel“ schließt die Technische Universität bis auf Weiteres ihr Hauptgebäude und schickt Studierende und Forschende ins Home-Office. Ein unerhörter Vorgang? Nein, ein weiteres Kapitel des Verfalls der Hauptstadt.Klingt, als wäre die Karte nicht mehr ganz dieselbe wie zu der Zeit, als Thomas Natschinski davon sang, dass „sie bei einem Honigflip saß / und mich mit großen Augen maß“. Honigflip? Milch, Eigelb, Johannesbeersaft, Eiswürfel und eben Honig. Klingt auch bisschen so, als ob die Milch unter diesen Umständen eher aus Soja, Mandeln oder Hafer wäre als von der Kuh und der Kaffee eher macchiato als Mokka.Im Osten was Neues: Die frisch installierte Leuchtschrift Mokka*Eis ist typografisch an die des berühmten Vorgängers angelehnt. Jens Kalaene/dpaWeiß heute überhaupt noch jemand, was Mokka war? Hafenstadt in Jemen, sagt das Lexikon, und die Erinnerung sagt: Kaffeesatz, der an den Zähnen klebt. Direkt mit dem Wasser aufgekochtes Pulver wurde zuletzt nur noch bei den alteingesessenen Bohemiens in Prenzlauer Berg so serviert und auch als „türkisch“ bezeichnet. „Als ich bei einem Türkischen saß / und irgendwie das Trinken vergaß“, sang Natschinski. Daran merkt man eben doch, dass das Lied aus einer fern gewordenen Zeit stammt. Und übrigens auch an der Zeile: „In der Mokka-Milch-Eisbar hat sie mich geseh’n / in die Mokka-Milch-Eisbar muss man mitternachts geh’n.“Das neue „Mokka*Milch“ schließt schon um 23 Uhr. Aber das ist unter den Bedingungen von Berlins Gastronomiekrise auch schon ganz schön spät.
Berlins „Mokka-Milch-Eisbar“ ist wieder da – mit Co-Working-Space und Genderstern
Das legendäre Café auf der Karl-Marx-Allee wurde im DDR-Schlager besungen. Die Neuauflage kommt etwas anders daher: mit Co-Working-Space und Gendersternchen












