Es gibt Berliner Orte, die selbst im Leerstand so aussehen, als warteten sie nur auf ihren nächsten Auftritt. Die Mokka-Milch-Eisbar an der Karl-Marx-Allee 35 gehört dazu: gelbe Keramik, große Glasflächen, ein flaches Dach, darüber der alte Schriftzug wie ein Versprechen: Mokka. Am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, öffnet der denkmalgeschützte Pavillon wieder. Neue Betreiber sind Natacha und Alexander Neumann.Wer hier ausschließlich DDR-Nostalgie mit Mokka, Milch und Eis erwartet, dürfte überrascht werden. Die neue Mokka Milch soll Restaurant, Café, Bar, Veranstaltungsort und Coworking Space zugleich sein – ein „Third Place“, wie die Betreiber schreiben, ein Ort jenseits von Wohnung und Büro. Die Behauptung, es handle sich um Berlins ersten solchen Ort, ist vor allem Marketing. Das Konzept passt aber auch zur Geschichte des Hauses.
Nie bloß eine Eisdiele: Was die „Mokke“ wirklich war
Denn die Mokka-Milch-Eisbar war nie bloß eine Eisdiele. Sie war Treffpunkt, Bühne, Flirtzone – ein kleines Stück großstädtische Verheißung in Ost-Berlin. Der Berlin History Walk nennt den Bau den wohl meistbesuchten Pavillon der Karl-Marx-Allee. Errichtet wurde er Anfang der 1960er-Jahre nach Entwürfen von Josef Kaiser mit Walter Franek, als Teil jenes zweiten Bauabschnitts, in dem die DDR-Führung eine andere Moderne zeigen wollte als im steinernen Monumentalstil der frühen Stalinallee.Zwischen Strausberger Platz und Alexanderplatz entstanden damals leichtere, transparentere Bauten: Kino International, Café Moskau, Pavillons für Handel und Gastronomie. Die Mokka-Milch-Eisbar ist Teil dieses denkmalgeschützten Ensembles. Markant waren und sind die Glasfronten, die gelb gekachelte Fassade und die Leuchtschrift auf dem Dach, die auf den Grafiker Klaus Wittkugel zurückgeht.






