PfadnavigationHomeSportFußballNationalmannschaft„Und jetzt schämen wir uns fast für unsere Tugenden“, sagt Matthias SammerStand: 10:08 UhrLesedauer: 3 MinutenMatthias Sammer gewann 1996 die EM und kritisiert vor der WM den deutschen FußballQuelle: AFP/INA FASSBENDERMatthias Sammer sieht enorme Probleme im deutschen Fußball. Ihm fehlt die Identität. Der Europameister von 1996 wählt drastische Worte. Und zeigt eine Lösung auf. Es reiche ein DIN-A-Zettel.Matthias Sammer hat vor dem Beginn der Weltmeisterschaft die mangelnde Identität im deutschen Fußball angemahnt. „Zu unseren Stärken haben immer Kampfgeist und Wille gezählt. Das hat alle großen Mannschaften ausgemacht, übrigens auch unsere Weltmeister von 2014, deren Zauberfußball so gefeiert wurde“, sagte der 58-Jährige dem „Stern“ im Interview: „Und jetzt schämen wir uns fast für diese Tugenden.“Der Deutsche Fußball-Bund benötige ein klares Spielkonzept, das für die Nationalmannschaft und für alle Nachwuchsteams gelte, führte der Europameister von 1996 aus. Grundsätzlich werde im deutschen Fußball zu viel über Haltungsnoten gesprochen: „Wir reden zu viel über die Schönheit des Spiels, über Ballbesitz – und zu wenig darüber, wie man es gewinnt.“Was dagegen spreche, dem Publikum ein schönes Spiel zeigen zu wollen, wurde Sammer in dem Gespräch von den Reportern gefragt. Seine Antwort: „Im Prinzip nichts, aber wir verleugnen uns selbst, wenn wir versuchen, zu kopieren und zum Beispiel wie Spanien spielen zu wollen. Wir haben nicht dieses Feinfüßige, dieses technisch Filigrane. Wir schwächen uns selbst, wenn wir ständig nur auf die anderen schielen, statt uns auf unsere Stärken zu besinnen.“Sammer nimmt Weltmeister in die PflichtMit Blick auf das Personal wünscht sich der sportliche Berater von Borussia Dortmund einen größeren Einfluss von ehemaligen Profifußballern. Sammer findet, dass sich die Weltmeistermannschaft von 2014 stärker in den deutschen Profifußball einbringen müsste: „Wir brauchen mehr Jungs, die auf höchstem Niveau gespielt haben und auch die Verantwortung im Fußball von heute mit übernehmen.“Lesen Sie auchDie geringe Anzahl an früheren Spitzenspielern in den Bundesliga-Chefetagen betrachte er mit großer Sorge. In entscheidenden Positionen seien zu viele Leute am Werk, die „nicht wissen, wie es in einer Kabine zugeht“.Lesen Sie auchAls Favorit auf den WM-Titel sieht der ehemalige Profi die Nationalelf nicht: „Sie zählt zwar zur erweiterten Weltspitze, aber ich sehe immer wieder Dinge auf dem Platz, die nicht passieren dürfen, wenn man um den Titel mitspielen will. Die Mannschaft bringt ihre Spiele nicht konsequent zu Ende. Sie begnügt sich damit, eine Partie zu 80 bis 90 Prozent zu kontrollieren wie zuletzt gegen die Schweiz und Ghana. Dann fällt plötzlich die Spannung ab und der Sieg gerät in Gefahr. Dieses Muster bereitet mir Sorgen.“Khedira könnte helfen, findet SammerZu den grundsätzlichen Problemen im deutschen Fußball und einer möglichen Lösung sagte Sammer: „Wir haben zwar einen Reformstau im deutschen Fußball, aber der ließe sich mit wenig Aufwand beheben. Es bräuchte nur ein Blatt Papier dazu. Eine DIN-A4-Seite, auf der Leitlinien unseres Spiels festgehalten werden. Das könnte zumindest für Orientierung sorgen.“ Sammer bedauert, dass der DFB sich vor einigen Jahren nicht mit Sami Khedira einigen konnte, der im Gespräch für einen verantwortungsvollen Posten als Sportdirektor im Verband war: „Khedira wäre damals der richtige zusätzliche Mann gewesen. Er hat Titel gewonnen, er hat bei Real Madrid gespielt, er ist klug und weiß, wie man sich organisieren muss, um Erfolg zu haben. Er hat ein hervorragendes internationales Netzwerk, bildet sich ständig weiter und hat beim VfB Stuttgart bereits beratend mitgewirkt. Ich hätte mir Sami gut an der Seite von Rudi Völler vorstellen können.“jwo
Fußball-WM, Matthias Sammer: „Wir schämen uns fast für unsere Tugenden“ - WELT
Matthias Sammer sieht enorme Probleme im deutschen Fußball. Ihm fehlt die Identität. Der Europameister von 1996 wählt drastische Worte. Und zeigt eine Lösung auf. Es reiche ein DIN-A-Zettel.






