PfadnavigationHomePolitikDeutschlandPflegeversicherung„Kinderlose bestrafen“ – Heftige Kritik an Vorstoß zu höheren BeiträgenStand: 07:08 UhrLesedauer: 3 MinutenBundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will laut einem Medienbericht bei der Reform der Pflegeversicherung die Beiträge für Kinderlose erhöhen.Kinderlose sollen mehr für die Pflegeversicherung zahlen. So zumindest lautet ein Vorschlag von Gesundheitsministerin Nina Warken. Aus der Politik kommen gespaltene Reaktionen. Von den Verbänden hingegen fällt das Urteil eindeutig aus.Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht sich gegen höhere Beiträge für Kinderlose im Rahmen der Pflegereform aus. „Kinderlose zum wiederholten Male mit höheren Beiträgen dafür bestrafen zu wollen, dass sie – aus welchen Gründen auch immer – keine Kinder haben, löst die strukturellen Probleme der Pflegeversicherung absehbar nicht“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).Mehr von WELT in der Google-Suche: WELT als Medium bevorzugenZur Sanierung der schwer angeschlagenen gesetzlichen Pflegeversicherung ist eine weitere Erhöhung des Beitragssatzes für Kinderlose im Gespräch. Nach Angaben aus Koalitionskreisen erwägt Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), den Beitragszuschlag für Kinderlose um 0,1 Prozentpunkte auf dann 0,7 Prozent anzuheben. Lesen Sie auchWarkens Ministerium wollte dies auf Anfrage nicht bestätigen, sondern verwies auf ein kommendes Gesamtkonzept. Wann dies vorgelegt wird, blieb offen. Diskriminierung ohne NotKinderlose Menschen würden ohne Not diskriminiert, kritisierte DGB-Vertreterin Piel. „Pflege muss bezahlbar werden und darf nicht länger zu Altersarmut führen, dafür müssen Pflegebedürftige endlich von steigenden Eigenanteilen entlastet werden“, forderte sie. Leistungskürzungen lösten das Reformversprechen nicht ein.Ähnlich äußerte sich zuvor die Präsidentin des Sozialverbands Vdk, Verena Bentele. Eine Beitragserhöhung von 0,1 Prozentpunkten für kinderlose Versicherte „hätte nur eine sehr geringe Finanzwirkung und würde das Finanzloch der Pflegeversicherung nicht stopfen“, sagte sie der „Rheinischen Post“. „Kinderlose einseitig zu belasten, ist zudem ungerecht, da Kinderlosigkeit in vielen Fällen keine freie Entscheidung war.“Der Bundesgeschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe VDAB, Thomas Knieling, kritisierte einzelne Debatten wie jene über höhere Beiträge für Kinderlose. Diese würde keine nachhaltige Reformstrategie ersetzen. Die Pflegebranche warte darauf, „dass die Gesundheitsministerin endlich eine umfassende Reform vorlegt – statt weiterer Einzelmaßnahmen ohne langfristige Perspektive“.CDU und SPD zeigen sich offen für höhere Beiträge für KinderloseIn der Politik fielen die Reaktionen gespalten aus. Zustimmung für Warkens Vorstoß kam aus der CSU. „Eltern leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Sozialversicherungssysteme“, sagte die Pflegebevollmächtigte des Bundes, Katrin Staffler (CSU), der Mediengruppe Bayern. „Wenn die heutige Kindergeneration später als Erwachsene Beiträge zahlt und damit auch die Pflege kinderloser Versicherter mitfinanziert, ist das vor allem der Erziehungsleistung ihrer Eltern zu verdanken.“ Der Beitragszuschlag für Kinderlose solle genau diese Leistung von Eltern ausgleichen.Die SPD zeigte sich ebenfalls offen für höhere Beiträge für Kinderlose. Die Pflegeversicherung stehe vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis den Funke-Zeitungen. „Deshalb müssen wir offen über eine langfristig tragfähige und solidarische Finanzierung sprechen.“ Dabei sei es legitim, „unterschiedliche Stellschrauben zu diskutieren – auch die Frage eines höheren Beitrags für Kinderlose“.Die Grünen sahen bei der Pflegereform hingegen „unausgereifte Einzelvorschläge statt eines tragfähigen Gesamtkonzepts“. Die Grünen-Fachpolitikerin Simone Fischer sagte den Funke-Zeitungen: „So schafft man weder Vertrauen noch eine stabile Finanzierung der Pflegeversicherung.“Für die Linke wäre eine Erhöhung des Zuschlags für Kinderlose „eine kosmetische Maßnahme, die das Problem der Pflegeversicherung nicht annähernd löst“. Die Linken-Pflegepolitikerin Evelyn Schötz kritisierte: „Der Vorschlag entkernt das Solidarprinzip weiter und würde die Pflegeversicherung noch ungerechter machen als ohnehin schon.“ Sie forderte stattdessen die Eingliederung von Privatversicherten in die gesetzliche Pflegeversicherung.Beschäftigte ab 23 Jahren, die keine Kinder haben, zahlen einen Zuschlag – ihr Beitrag zur Pflegeversicherung (PV) erhöht sich damit. Um größere Familien mit jungen Kindern finanziell zu entlasten, wurden Abschläge pro Kind eingeführt, die den PV-Beitrag für die Eltern verringern. Der Zuschlag für Kinderlose liegt derzeit bei 0,6 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, der gesamte Beitrag zur Pflegeversicherung beträgt für sie damit aktuell 4,2 Prozent.Mehr von WELT in Google sehenGoogle zeigt zu vielen Themen passende Nachrichten an. Nutzer können nun festlegen, welche Quellen ihnen bevorzugt angezeigt werden: WELT als bevorzugtes Medium festlegenrct