Die Nachwirkungen des Ölpreisschocks infolge des Irankriegs dürften die Europäische Zentralbank (EZB) zu einer baldigen Anhebung des Leitzinses bewegen. „Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig“, sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel ​(54) in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Doch lege sich die EZB niemals vorab fest. Der Schock arbeite sich durch die Wirtschaft und treibe die Inflation ‌über „einen beträchtlichen Zeitraum“ vom Zielwert der Notenbank von 2,0 Prozent weg.Seit dem Ausbruch des Nahostkriegs Ende Februar sind die Energiekosten im Euroraum stark gestiegen, was die Wirtschaft belastet und zugleich die Teuerung befeuert. „Selbst, wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden“, warnte die deutsche EZB-Direktorin. Daher sei sie der Ansicht, dass selbst dann eine geldpolitische Reaktion erforderlich wäre.Der EZB-Rat entscheidet am 11. Juni über den Leitzins. Die meisten Experten rechnen dann auch mit einer ersten Zinserhöhung in diesem Jahr. Weitere Schritte könnten folgen: Schnabel wollte sich nicht dazu äußern, ob Markterwartungen von drei Zinsanhebungen im ‌laufenden Jahr eine realistische Größenordnung seien: „Was ich sagen kann, ist, dass bereits das Basisszenario, das wir ​im März hatten, zwei ‌Zinserhöhungen berücksichtigte.“ Zuletzt hatten die Währungshüter den Einlagensatz bei 2,0 Prozent belassen, doch wurde bereits ausführlich über die Option einer Erhöhung gesprochen.