Queere Debatten: Nicht hetero zu sein, ist noch nicht poltisch

Queersein alleine ist nicht automatisch emanzipatorisch. Denn politisches Potenzial entsteht nur dort, wo es um mehr geht, als private Lebensführung.

Die Vorstellung, dass lesbische Beziehungen oft Heterobeziehungen imitieren, greift historisch zu kurz

Mark Blinch

W as macht Queerness politisch? Reicht es schon, nicht heterosexuell zu leben? Oder wird Queerness erst dort subversiv, wo sie gesellschaftliche Normen sichtbar infrage stellt? Diese Fragen gewinnen derzeit neue politische Schärfe. Angesichts wachsender sozialer Ungleichheit und Prekarisierung wird immer wieder behauptet, Identitätspolitik und soziale Gerechtigkeit stünden im Widerspruch zueinander. Sowohl konservative Stimmen als auch Teile der politischen Linken fragen, ob Queerness gesellschaftliche Solidarität eher schwäche als stärke.