„Finden Sie hier heraus, was Ihre Familie unter Hitler getan hat“, trommelt der Spiegel. Abonnenten sollen auf dem Onlineportal die NSDAP-Mitgliedskartei durchsuchen, ganz easy: „Das Lügen hat ein Ende“, „mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt“.

Oma Lotte und Opa Herbert entlarven. Ein Traum. Jeden zweiten Sonntag fuhren wir hinaus zu ihnen nach Hennigsdorf. Dort gab es weiße Würste in Dillsoße, Waldmeistersirup und den Internationalen Frühschoppen mit Werner Höfer. Sie wirkten lieb. Aber Weißwurst verletzt die Menschenwürde, zumindest im Raum Berlin, Waldmeister erregt Krebse und Höfer war vor seinem ARD-Talk ein Nazi. Zufall?

Die Jagd nach dem braunen Makel

Seit Wochen feuert der Spiegel alle Nachgeborenen zur Ahnenrazzia an. Und ich will ja an meinen Stammbaum pinkeln. Nur ist darauf kein Ziel zu entdecken, verdammt noch mal. Immerhin, die Redaktion hat Tipps und Trost für alle, die „in der Nazi-Kartei noch nicht fündig wurden“. „Noch“ macht Mut. Da muss doch was sein. Jeder hatte Dreck am Stecken oder war eine Karteileiche im Keller, nicht wahr? Wer bis jetzt nichts aufgespürt habe, bestärkt mich im Tagesspiegel eine Historikerin, „darf daraus nicht schließen, dass der Großvater kein Nazi war“. Das berge „eine Gefahr der Entlastung und Verzerrung“. Das wäre schlimm. Niemand soll mir vorwerfen, generalverdächtige Vorfahren überhastet entlastet zu haben. Wenn die Familie die kleinste Zelle der Gesellschaft ist, dann will ich Zellteilung.