Die frühere Bundesverbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Grüne) hat in den digital aufbereiteten NSDAP-Mitgliedsakten ihren Vater und ihren Onkel entdeckt. Es habe „schon lange in mir rumort“, ob einer ihrer Vorfahren in der Nazi-Partei gewesen sei, sagte Künast dem Magazin „Spiegel“. Aber die Recherche sei nicht einfach gewesen vor der digitalen Bearbeitung der Daten, unter anderem durch den „Spiegel“.Jetzt habe sie Name und Geburtsdatum eingegeben und sehr rasch Willy Künast gefunden: „Er ist am 1. Mai 1933 in der Partei aufgenommen worden, also wenige Wochen nach der Machtübernahme.“ Die Entdeckung sei für sie kein Schock gewesen – „aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem“. Die heute 70-jährige Künast, die bis Frühjahr 2025 dem Bundestag angehörte: „Wenn aus einer unbeantworteten Frage Gewissheit wird, geht das Nachdenken wieder los.“ „Das war ein Schweigekartell“ Sie habe weitergesucht und auch noch den älteren Bruder ihres Vaters gefunden, der 1937 in die NSDAP eingetreten sei, fügte die Politikerin hinzu: „Mich beschäftigt das emotional; ich rede darüber mit meinem Mann, mit Freunden. Nach dem Krieg war es auch bei uns wie in vielen Familien: Das war ein Schweigekartell.“Der „Spiegel“ hatte nach der Veröffentlichung der Suchmaschine auf seiner Onlineseite mehrere Politiker angefragt, ob sie sich mit der möglichen NS-Vergangenheit ihrer Familien beschäftigen. Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erklärte: „Ich habe die Daten meiner Großeltern eingegeben und war erleichtert, dass es stimmt, was mir erzählt wurde: Niemand von meinen Großeltern war in der NSDAP.“ Er habe allerdings seinen Großonkel in der Kartei gefunden, der bereits seit Mai 1932 Parteimitglied gewesen sei, so Lauterbach. „Keine nachgelagerten Scherbengerichte“ Der Bundestagsvizepräsident und frühere Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte: „Ich finde die Transparenz wichtig, die jetzt in Bezug auf die NSDAP-Mitgliedsakten entsteht. Nicht, um nachgelagerte Scherbengerichte abzuhalten - aber um sich zu erinnern und um sich mit der Geschichte der eigenen Familie auseinanderzusetzen.“Er habe bereits vor den jetzt zugänglichen Akten gewusst, dass „mein Großvater ein frühes NSDAP-Mitglied war und meine Mutter ein frühes Mitglied des Bundes Deutscher Mädel“, so Ramelow. Er habe die Geschichte seiner Familie immer offen thematisiert, „weil damit auch meine eigenen Brüche zusammenhängen“. (KNA)