PfadnavigationHomePolitikDeutschlandFamilienvergangenheit„Es beschäftigt mich seitdem“ – Renate Künast findet Vater in NSDAP-MitgliederkarteiStand: 16:13 UhrLesedauer: 2 MinutenRenate KünastQuelle: Stefan Boness/IPON/picture allianceRenate Künast stößt bei der Recherche zur NS‑Vergangenheit ihrer Familie auf einen Treffer: Ihr Vater trat wenige Wochen nach der Machtübernahme der NSDAP bei. Was in ihrer Jugend verschwiegen wurde, beschäftigt sie nun.Die frühere Bundesverbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast hat die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters bei der Suche in den digital aufbereiteten Mitgliederakten gefunden.„Es hatte schon lange in mir rumort, ob einer meiner Vorfahren in der NSDAP gewesen ist. Aber Recherche ist nicht einfach. Ich habe den Namen meines Vaters, Willy Künast, eingegeben, sein Geburtsdatum, sein Jahrgang 1914. Es gab sofort einen Treffer. Er ist am 1. Mai 1933 in der Partei aufgenommen worden, also wenige Wochen nach der Machtübernahme“, sagte die Grünenpolitikerin jetzt dem „Spiegel“, dessen Recherche-Tool sie benutzt hatte. Lesen Sie auch„Es war kein Schock, aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem. Wenn aus einer unbeantworteten Frage Gewissheit wird, geht das Nachdenken wieder los“, so die heute 70-jährige Künast, die bis zum Frühjahr 2025 noch dem Bundestag angehörte.Sie habe weitergesucht und auch noch seinen älteren Bruder gefunden, der 1937 eingetreten ist. „Mich beschäftigt das emotional, ich rede darüber mit meinem Mann, mit Freunden“, sagte Künast. „Nach dem Krieg war es auch bei uns wie in vielen Familien: Das war ein Schweigekartell“, erklärte die Grüne weiter.Lesen Sie auchDer „Spiegel“ hatte nach der Veröffentlichung der Suchmaschine auf seiner Onlineseite mehrere Politiker angefragt, ob sie sich mit der möglichen NS-Vergangenheit ihrer Familien beschäftigen.Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte: „Ich habe die Daten meiner Großeltern eingegeben und war erleichtert, dass es stimmt, was mir erzählt wurde: Niemand von meinen Großeltern war in der NSDAP.“Er habe allerdings seinen Großonkel in der Kartei gefunden. „Er war der Bruder meiner Großmutter und trat bereits im Mai 1932 in die NSDAP ein“, sagte Lauterbach, der heute SPD-Bundestagsabgeordneter ist. Sein Großonkel sei nach dem Krieg entnazifiziert worden und habe in Wuppertal eine Karriere bei der Polizei gemacht. „Er war ein überzeugter Nationalsozialist“, sagte Lauterbach über seinen Großonkel.„Um sich mit der Geschichte der eigenen Familie auseinanderzusetzen“Der Bundestagsvizepräsident und frühere Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linkspartei) erklärte: „Ich finde die Transparenz, die jetzt in Bezug auf die NSDAP-Mitgliedsakten entsteht, wichtig. Nicht, um nachgelagerte Scherbengerichte abzuhalten, aber um sich zu erinnern und um sich mit der Geschichte der eigenen Familie auseinanderzusetzen.“Er habe bereits vor den jetzt zugänglichen Akten gewusst, dass „mein Großvater ein frühes NSDAP-Mitglied war und meine Mutter ein frühes Mitglied des Bundes Deutscher Mädel“. Der Linkenpolitiker erklärte weiter: „Ich habe die Geschichte meiner Familie immer offen thematisiert, weil damit auch meine eigenen Brüche zusammenhängen.“nw