Acht Jahrzehnte mussten nach NS-Verbrechen und Vertreibung vergehen, bis das Pfingsttreffen der Sudetendeutschen Landsmannschaft erstmals auf tschechischem Boden stattfinden konnte. Möglich wurde die Begegnung, weil sich Tschechen und Deutsche fanden, die über lange Zeit und gegen viele Widerstände geduldig an der Aussöhnung beider Völker gearbeitet haben. Sie waren bereit, gegensätzliche Sichtweisen auszuhalten, die Schuld der jeweils eigenen Seite anzuerkennen, Vorbehalte und Misstrauen zu überwinden, neben dem eigenen Leid auch das der anderen zu sehen und beides nicht gegeneinander aufzurechnen.Die große Errungenschaft, die in Brünn am Pfingstwochenende sichtbar wurde, ist das Ergebnis vieler unscheinbarer und mühevoller Schritte. Sie muss verteidigt werden – und zwar nicht nur gegen die kleine Gruppe, die dagegen auf der Straße protestiert hat. Dieser Sudetendeutsche Tag steht für viel mehr als nur für sich selbst. Er vergegenwärtigt, dass die europäische Einigung in erster Linie ein großes Friedensprojekt ist.Das Symptom einer großen GefahrDie Gegendemonstranten sind das Symptom einer großen Gefahr: Nationalisten überall in Europa streben danach, die EU zu demontieren. Unterstützt werden sie dabei vom russischen Diktator und Kriegsverbrecher Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump mit seinen autoritären Ambitionen; Feinde der Freiheit in anderen Teilen der Welt sehen ihnen wohlwollend zu.Wohin es führen kann, wenn sie Erfolg haben – auch daran hat dieses Pfingsttreffen erinnert, bei dem Tschechen und Deutsche gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus und der Vertreibungen nach dem Krieg gedachten.