Ja ist denn schon Wimbledon? Zu seinem Erstrundenspiel bei den French Open erschien Alexander Zverev, als wäre er ein Fotomodell für den Rasenklassiker in einigen Wochen: nicht wie alle Jahre wieder in Paris im farbigen Outfit, sondern konservativ gekleidet in weißem T-Shirt und weißer Hose. Da hat sich Deutschlands bekanntester Sportartikelhersteller etwas Ungewöhnliches einfallen lassen für Deutschlands besten Tennisprofi. Theoretisch könnte Zverev also in den nächsten sieben Wochen bis zum Ende des Wimbledonturniers darauf verzichten, seine Wäsche zu wechseln.Doch schon am Pfingstsonntag in Paris war es angeraten, sich schnell des gebrauchten Oberteils zu entledigen und sich auch sonst frisch zu machen. 32 Grad Celsius lagen in der Pariser Luft, etwas mehr noch unter der Hitzekuppel des Court Philippe-Chatrier. Also dort, wo sich Zverev nach zwei Arbeitsstunden und einem Siegerinterview ins Schattige flüchten konnte. Beim 6:3, 6:4, 6:2-Auftaktsieg gegen den Franzosen Benjamin Bonzi hatte sich der weißgewandete Zverev nicht mit Ruhm bekleckert.Vollauf zufrieden zeigte er sich mit dem Ergebnis, halbwegs mit seiner Frühform. „Es ist besser, langsamer zu starten, um sich im Laufe des Turniers verbessern zu können“, sagte der Weltranglistendritte.Das Feld der Favoriten ist schon vor dem Turnierstart ausgedünntOb der Aufwärtstrend intakt ist, kann Zverev am Mittwoch gegen Tomas Machac zeigen. Der Tscheche zählte vor einem Jahr noch zu den besten zwanzig in der Weltrangliste, ist aber auf Platz 43 abgerutscht. Das bislang einzige Duell gewann der Deutsche – bei den Olympischen Spielen vor zwei Jahren auf den gleichen Pariser Sandplätzen. „Wenn er gut spielt, spielt er wirklich sehr, sehr gut“, sagte Zverev.Sein möglicher Weg zum ersten Grand-Slam-Titel – oder zumindest ins zweite Finale nach 2024 – erscheint diesmal mit weniger Fallstricken versehen als in den vergangenen Jahren. Hat sich doch das Feld derer, die als Favoriten auf einen Einzug in die letzten Runden galten, schon vor dem ersten Ballwechsel dieser French Open ausgedünnt.Der Weltranglistenerste Carlos Alcaraz, der wegen einer Handgelenkverletzung seinen Titel nicht verteidigen kann, ist der prominenteste Ausfall. Dazu kommt eine Reihe ehemaliger oder aktueller Top-10-Spieler, die ihre Fähigkeiten auf Sand schon bewiesen haben und denen ein Lauf in Paris zuzutrauen gewesen wäre: der Italiener Lorenzo Musetti, der Engländer Jack Draper, der Däne Holger Rune und der zuletzt formstarke Franzose Arthur Fils, der ein möglicher Achtelfinalgegner Zverevs gewesen wäre. Grand-Slam-Rekordchampion Novak Djokovic hatte eine Schulterverletzung erst leidlich überstanden, als er am Sonntag zur Night Session antrat.Für Alexander Zverev passen in Paris die Rahmenbedingungen. Nach einer Behandlung jüngst beim Promi-Doktor Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt macht sein Rücken keine Scherereien mehr. Das heiße und trockene Wetter kommt der Spielweise des Hamburgers entgegen. „Weil bei Hitze der Ball höher springt, sind mein Aufschlag und meine Vorhand effektiver“, sagte Zverev am Sonntag: „Wenn es die ganze Woche so bleibt – perfekt!“ Und Bonzi sorgte bei Zverev nur einmal für gewisse Hitzewallungen, nämlich als ihm der Franzose das Aufschlagspiel zum 4:4 im zweiten Satz abnahm.Nur der überragende Sinner scheint Zverev weit vorausNachdem Zverev wenige Minuten später seinen Schläger getauscht hatte, spielte er wie ausgewechselt: druckvoller, variabler, überzeugender. Auch Stoppbälle gab es zu bestaunen. Die Besaitung seines Rackets sei ihm zu hart vorgekommen, deshalb habe er es weicher bespannen lassen, erklärte der Neunundzwanzigjährige später. „Da bin ich sehr komisch und spüre manchmal zu viel.“Fortan ließ er den Schläger „laufen“ und infolgedessen auch den Gegner. Angetan vom eigenen Repertoire zeigte sich Zverev im fünften Spiel des dritten Satzes. Nach einem famosen Rückhandreturn die Linie entlang und hinten ins Eck breitete er die Arme aus, legte den Kopf in den Nacken und feierte sich mit einem Jubelschrei. Das französische Publikum tat sich schwerer mit der Anerkennung.Angesichts vieler prominenter Ausfälle und der eigenen Stärke, die ihn in Roland Garros dreimal ins Halbfinale und 2024 ins Endspiel geführt hatte, rückt Zverev in die Rolle des Mitfavoriten. Nur der in dieser Saison überragende Jannik Sinner scheint ihm weit voraus.Bei drei seiner Turnierteilnahmen in den vergangenen Wochen erreichte der Hamburger die Runde der letzten vier; besser war nur der Italiener, der alle großen Sandplatztitel gewann und dabei Zverev in Monte Carlo und Madrid düpierte. „Es waren klare Matches, weil ich sehr, sehr schlecht gespielt habe“, sagte der Deutsche. Angesprochen auf ein mögliches Frfench-Open-Endspiel gegen den Italiener Sinner, sagte er: „Besser spielen würde sehr hilfreich sein.“ Einen Anfang hat Alexander Zverev am Sonntag gemacht.
Alexander Zverev bei den French Open: Ein glanzloser Auftaktsieg
Bei 32 Grad gewinnt Alexander Zverev sein Auftaktmatch in Paris souverän, aber schmucklos. Die Hitze könnte ihm in den kommenden Tagen entgegen kommen – das ausgedünnte Favoritenfeld auch.









