Kadaver vor der dänischen Insel Anholt: Wie das Haustier der Nation

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Vergesst die Straße von Hormus, schrieb die schwedische Zeitung »Sydsvenskan«, jetzt zähle die Bucht von Wismar. Dort, im flachen Wasser vor der Ostseeküste, lag ein junger Buckelwal, dort entfaltete sich das deutsche Drama. Ein Tier, zwölf Tonnen schwer, verirrt in die Ostsee, erschöpft, gestrandet. In Deutschland wurde er Timmy genannt, wie ein Hund, wie das Haustier der Nation. Und während viele Deutsche auf den Wal schauten, hoffnungsvoll und verzweifelt, schaute das Ausland auf Deutschland, irritiert und verwundert. Auf ein Land, das in einem Wal plötzlich eine Bewährungsprobe erkannte.

Skandinavische, amerikanische, britische, europäische Medien berichteten nicht nur über einen Wal. Sie berichteten über eine Nation im vermeintlichen emotionalen Ausnahmezustand, über ein Land, das sich in diesem Wal wiederzuerkennen schien.Der Blick von außen zeigt, wie Deutschland wahrgenommen wird: ein Land, in dem sich moralischer Überschuss, technische Rettungsfantasie, Expertenskepsis, Verschwörungsglaube und eine fast verzweifelte Sehnsucht nach Handlungsfähigkeit mischen. Der Wal wurde zur Projektionsfläche für ein Land, das selbst daran zweifelt, ob es noch zu retten ist.