PfadnavigationHomeSportIndy 500Mick Schumacher startet im Rennen, das seine Familie fürchtetVon Michel Milewski, Enrico AhligStand: 07:49 UhrLesedauer: 3 MinutenMick Schumacher auf dem legendären Indianapolis Motor SpeedwayQuelle: picture alliance/ZUMAPRESS.com/Richard DoleBeim Indy 500 jagt Mick Schumacher mit enormem Tempo durch das Oval. Vater Michael und Onkel Ralf warnten einst vor den Risiken – doch für Mick überwiegt die Faszination. Und er setzt sich die Triple Crown auf.Wenn die Formel 1 nur eine Nebenrolle spielt. Sonntag um 18.45 Uhr (Sky Sport Mix) schaut die Motorsport-Welt nicht zum Großen Preis von Kanada im kanadischen Montreal, sondern rund 1200 Kilometer südwestlich in die USA. Dort findet auf dem Indianapolis Motor Speedway das legendäre Indy 500 statt. 33 Fahrer duellieren sich 500 Meilen (rund 805 km) um den Sieg – und ein Deutscher ist mittendrin: Mick Schumacher.Der Sohn von Formel-1-Legende Michael Schumacher fährt seit Anfang des Jahres in der US-Rennserie für Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL). Damit der 27 Jahre alte Mick überhaupt seine Fahrerlaubnis für die IndyCar-Serie bekommt, musste er vor Saisonbeginn an einem Oval-Test teilnehmen. Denn rund die Hälfte der Kurse (u. a. Indianapolis) besteht nur aus zwei Geraden, die durch zwei lang gezogene Linkskurven verbunden sind. Schumacher sagt: „Wir fahren mit einem Durchschnitt von 360 bis 370 km/h über die Strecke und überholen dabei andere Autos. Das macht das Rennen auch mental unglaublich anstrengend.“Rund drei Stunden dauert der Grand Prix. Anders als in der Formel 1 trennen die Boliden dabei nicht wie so oft mehrere Sekunden, sondern nur wenige Zentimeter. „Man kann sehr gut im Windschatten fahren und dadurch nicht nur gut überholen, sondern auch Sprit sparen“, sagt Schumacher: „Man will erst ganz am Ende führen. Deswegen versucht man, mit der Nase möglichst nah am Vordermann zu bleiben, um von der sauberen Luft zu profitieren und dann vorbeizuziehen.“Angst vor einem Highspeed-Unfall hat er keine. Ganz anders die Familie. Vater Michael sagte bereits zu seinen aktiven Zeiten, dass er die IndyCar-Serie und speziell das Indy 500 zu gefährlich findet: „Mit diesen Geschwindigkeiten so nah an der Wand zu fahren – es gibt keine Möglichkeit, dass das Chassis das überlebt. Die Folge ist, dass man schwere Beinverletzungen oder noch Schlimmeres davonträgt.“Mick Schumacher weiß um die GefahrenAuch Micks Onkel Ralf Schumacher ist kritisch: „Bei aller Liebe stellt sich da für mich die Nutzen- und Risiko-Frage. Man muss kein Raketenwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass die Rennen im Oval, bei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 360 km/h etwas gefährlicher sind als ein normales Formel-1-Rennen.“ Mick Schumacher weiß um die Gefahren, doch die Vorfreude überwiegt: „Indy 500 – das ist etwas Besonderes.“ Lesen Sie auchMit besonderen Rennen kennt sich der Deutsche aus. Mit seinem Start in den USA hat er dann an den drei größten Grands Prix, der sogenannten Triple Crown, teilgenommen: Indianapolis, dem Monaco Grand Prix und dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans: „Alle drei gefahren zu sein, ist eine coole Sache. Die Events sind ganz unterschiedlich. Indy hat den typischen amerikanischen Charakter. Viel Show, viel Entertainment. In Le Mans musst du über 24 Stunden konzentriert sein – und Monaco ist eben Monaco.“Lesen Sie auchEine Besonderheit wird Schumacher auch auf dem Kopf tragen. Der RLL-Pilot geht mit einem roten Helm an den Start – eine Hommage an Vater Michael: „Rot ist eine schöne Farbe für mich. Mein Vater hatte sie natürlich schon seit Ewigkeiten, und ich wollte etwas Besonderes machen, hatte Lust, diesen Weg einzuschlagen.“Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD AM SONNTAG.