Ein Fall von Finanzsozialismus: Gelder von Kleinanlegern verleihen dem Börsengang von SpaceX den SchubVor dem grössten Börsengang der Geschichte hat die Nasdaq ihre Regeln angepasst. Den meisten Fonds bleibt gar nichts anderes übrig, als in SpaceX zu investieren.24.05.2026, 05.30 Uhr2 LeseminutenDie Tech-Börse Nasdaq rollte ihm den roten Teppich aus: SpaceX-Gründer Elon Musk.Manuel Orbegozo / ReutersNie sah es für die Menschheit besser aus als heute. Nach einer Million Jahre der ständig drohenden Auslöschung durch Asteroiden, Vulkane und Sonnenstürme erhalten wir eine Ausweichstation im All. Dank Elon Musk: «Wir wollen nicht, dass die Menschheit dasselbe Schicksal wie die Dinosaurier erleidet», heisst es im Prospekt zum Börsengang seiner Firma SpaceX, der diese Woche veröffentlicht wurde.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Das Raketen-, KI- und Telekom-Konglomerat verspricht die Besiedelung von Mond und Mars. «Indem wir über das einzige Zuhause hinausgehen, das wir je gekannt haben, stellen wir eine Redundanz auf Speziesebene sicher und sorgen dafür, dass das Licht des Bewusstseins nicht an einen einzigen Planeten gebunden bleibt.» Nie war mehr Poesie bei einem Börsengang.Man mag dies als Grössenwahn abtun. Doch zumindest kurzfristig dürften Musks Ziele aufgehen. Verantwortlich dafür ist nicht eine besondere planetarische Konstellation, sondern höchst irdische Kungelei: Adena Friedman, die Chefin der Nasdaq, hat die Regeln für neu kotierte Firmen extra angepasst vor dem Börsengang von SpaceX.Mega-Bonus ist an Mars-Kolonie gekoppeltDadurch werden die SpaceX-Aktien bereits nach drei Wochen in den begehrten Nasdaq-100-Index aufgenommen, die Schwelle für den Freefloat wird gesenkt, das Gewicht im Index künstlich verdreifacht. Was sich wie höhere Mathematik anhört, ist letztlich Finanzsozialismus: Die Änderungen führen dazu, dass sämtliche Fonds, die den Index abbilden, in SpaceX investieren müssen. Alimentiert sind sie vor allem mit den Ersparnissen von Kleinanlegern.Musk hat damit gute Chancen, dass sein Mischkonzern trotz Milliardenverlusten die angestrebte Bewertung von 1,75 Billionen Dollar erzielt. Ist der Tesla-Chef also nur ein Gewinnoptimierer? So einfach ist es nicht. Musk ist es bitterer Ernst mit seinen Visionen, er hat sein finanzielles Schicksal damit verknüpft: Sein Mega-Bonus fliesst erst, wenn eine Million Menschen auf dem Mars leben.Auch das ist im Prospekt schöner formuliert: «Ich kann mir nichts Aufregenderes vorstellen, als da rauszugehen und unter den Sternen zu sein», schreibt Musk. Wenn man das Kleingedruckte liest, weiss man, warum.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel