Grafik der Woche

Das Debüt des Raumfahrtkonzerns SpaceX rückt rasch näher. Bestehende Aktionäre und Investmentbanken dürften damit reichlich Geld verdienen. Wie die Erfahrung zeigt, zahlen sich grosse Börsengänge für Privatanleger hingegen selten aus – zumindest nicht am Anfang. Der Countdown läuft. SpaceX soll bereits in wenigen Tagen an der Börse Nasdaq in New York mit dem Kürzel SPCX starten. Gemäss neuen Dokumenten, die der Raumfahrtkonzern von Elon Musk am Mittwochabend bei der US-Handelsaufsicht SEC eingereicht hat, wird für den «Liftoff» der 12. Juni anvisiert, also Freitag in einer Woche. Die Werbemaschine für den Börsengang der Superlative läuft auf Hochtouren.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Bestehende Aktionäre und rund zwanzig Banken werden mit dem Initial Public Offering (IPO) aller Voraussicht das grosse Geschäft machen. Gemäss den SEC-Unterlagen strebt SpaceX eine Bewertung von knapp 1,8 Bio. $ an. Der Konzern würde damit auf Platz sieben unter den Top-10 im US-Leitindex S&P 500 rangieren. Im Februar bei der Übernahme des KI-Unternehmens xAI wurde er zuletzt zu 1,25 Bio. $ bewertet.Im Zug der Monstertransaktion sollen 555,6 Mio. Titel zu einem Stückpreis von 135 $ auf den Markt kommen. Das entspricht einem Free Float von rund 5%. Das Emissionsvolumen würde sich damit auf einen Rekord von rund 75 Mrd. $ belaufen. Zusätzliche Titel im Wert von 11,2 Mrd. $ können die federführenden Banken für sich und ihre Kunden übernehmen; allen voran Goldman Sachs, Morgan Stanley, Bank of America, Citigroup und JPMorgan Chase.Historische Daten zu Börsengängen sind ernüchterndFür Privatinvestoren sieht die Ausgangslage weniger vielversprechend aus. Erstens ist SpaceX ein hoch spekulatives Unterfangen. Gemäss dem Börsenprospekt weist der Konzern für das erste Quartal einen Verlust von 4,3 Mrd. $ aus, nachdem im Gesamtjahr 2025 ein Minus von 4,9 Mrd. $ resultiert hat.Der Investment Case basiert zu einem wesentlichen Teil auf der kühnen Vorstellung, dass Rechenzentren im Weltall künftig KI-Dienste unterstützen werden. Zudem wird Musk nach dem Börsengang mehr als 80% der Stimmrechte kontrollieren, was ebenfalls ein Risiko darstellt.Ein Blick in die Vergangenheit zeigt zweitens, dass Börsengänge für das breite Publikum in der Regel zunächst keine gute Anlage sind. Gemäss Finanzprofessor Jay Ritter von der Universität Florida, der IPO-Daten seit Anfang der Achtzigerjahre auswertet, hinken Neuzugänge dem Gesamtmarkt in den ersten zwölf Monaten durchschnittlich um 5,8% hinterher. Auch über die unmittelbar folgenden Jahre ist das Resultat gemischt.Für Mega-Börsengänge fällt die Bilanz sogar noch enttäuschender aus, speziell bei Debütanten aus dem Technologiesektor. Die Aktien des chinesischen Internetriesen Alibaba beispielsweise, gemessen am Emissionsvolumen von 21,8 Mrd. $ das bisher grösste IPO in den USA, sackten nach der Handelseröffnung am 18. September 2014 in den folgenden zwölf Monaten um 30% ab.Wie die Grafik der Woche illustriert, verhielt es sich mit anderen Branchenvertretern auf der Liste der grössten IPO-Transaktionen nicht besser. Der Kurs von Meta Platforms (damals Facebook) büsste nach dem Debüt im Frühjahr 2012 in einem Jahr 33% ein, und beim Börsengang von Uber im Mai 2019 resultierte eine Einbusse von 21%. Besonders brutal verhielt es sich beim Elektroautohersteller Rivian, der im Vergleichszeitraum einen Verlust von mehr als 70% erlitt.Schlechtes Omen für die Hausse im Tech-Sektor? Aus der Historie lässt sich eine weitere Lehre ziehen, und auch die ist wenig erfreulich. Nicht selten markieren Mega-Börsengänge den Zenit eines Marktzyklus. Die Kotierung von Rivian am 9. November 2021 beispielsweise – mit einem Emissionsvolumen von 11,9 Mrd. $ das dritte grösste Tech-IPO in den USA – fiel praktisch zeitgleich mit dem Peak der Covid-Spekulationsblase zusammen.Auch bei Alibaba dauerte es nicht lange, bis die grosse Begeisterung für Investments in China nach dem Börsengang abflachte. Weniger als ein Jahr später schockte Peking im August 2015 mit der Abwertung des Yuan die Märkte. Visa, ein weiterer klassischer Fall, ging im März 2008 am Vorabend der Finanzkrise als damals grösstes US-IPO an die Börse. AT&T Wireless traf im April 2000 mit der damaligen Rekordtransaktion nahezu exakt das Ende der Technologie-, Medien- und Telecomblase.Das alles bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass SpaceX ebenfalls zum Flop wird. Es ist sogar gut möglich, dass der Kurs zunächst kräftig hochgejubelt wird. Indexanbieter wie S&P Global, Nasdaq und MSCI ändern für Musk und sein Unternehmen die Aufnahmebedingungen bei bedeutenden Börsenbarometer wie dem S&P 500 und dem Nasdaq 100. Die Nachfrage von passiven Fonds könnte die Aktien daher stützen. Davon könnten auch die KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI beim geplanten IPO davon profitieren.Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Doch für Investoren, die auf Neuzugänge an der Börse setzen wollen, kann es sich oft lohnen, vorerst etwas abzuwarten. Die anfänglich meist schwache Performance hat unter anderem damit zu tun, dass bestehende Aktionäre ihre Aktien nach Ablauf der Haltefrist auf den Markt werfen. Ist der Überhang abgebaut, sind die Voraussetzungen für nachhaltige Kursavancen besser.Das zeigt sich auch, wenn man die mittelfristige Kursentwicklung der Tech-Prominenz aus der ersten Grafik betrachtet, wobei Meta und Alibaba besonders gute Beispiele sind.