Erst belächelt, dann bemitleidet, nun bejubelt: Das 24 Jahre alte SpaceX soll am Freitag den grössten Börsengang der Geschichte hinlegen. Belohnt werden jene, die schon lange an Elon Musks Vision glaubten. Doch wer ist das?12.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenIn 24 Jahren hat Elon Musk aus einem belächelten Raumfahrt-Startup das grösste Börsendebüt der Geschichte gemacht. Besonders früh eingestiegene Investoren werden nun für ihren Glauben an Musk üppig belohnt – unter ihnen Wegbegleiter wie Antonio Gracias und Peter Thiel, aber auch der Alphabet-Konzern.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Aber wem genau gehört SpaceX heute? Nach mehr als dreissig Finanzierungsrunden ist die Eigentumsstruktur fragmentiert. Hinzu kommt, dass Elon Musk vor wenigen Monaten seine Plattform X und die KI-Firma xAI dem SpaceX-Konglomerat hinzugefügt hat. Das hat die Anteile der früheren Investoren noch einmal verwässert. Doch basierend auf Angaben bei der Börsenaufsicht, Medienberichten und eigenen Berechnungen lässt sich grob aufteilen, wem SpaceX heute gehört. Den Berechnungen liegt jene Bewertung zugrunde, auf die die Firma beim Börsengang abzielt: 1,75 Billionen Dollar, also 75 Milliarden Dollar an aufgenommenem Kapital bei einem Preis von 135 Dollar pro Aktie.Elon Musk~42 ProzentMusk gründete SpaceX 2002 mit einem Startkapital von 100 Millionen Dollar – Geld, das er als Mitgründer vom Verkauf der Bezahlplattform Paypal erhalten hatte. Seine ursprünglich 100 Prozent an SpaceX wurden im Laufe von Dutzenden Finanzierungsrunden immer kleiner. Heute gehören ihm noch rund 42 Prozent der Firma.Bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar ist Musks Anteil rund 735 Milliarden Dollar wert. Das ist mehr als doppelt so viel wie sein bisheriges Vermögen. Damit dürfte Musk am Freitag der erste Billionär werden.Noch gewichtiger als die Anteile sind die Stimmrechte, die sich Musk geschickt gesichert hat. SpaceX hat zwei Arten von Aktien: eine Klasse A, bei der ein Eigentumsanteil einer Stimme entspricht; und eine Klasse B, bei der jede Aktie zehn Stimmen bekommt. Diese Klasse-B-Aktien sind Musk und einigen ausgewählten Insidern vorbehalten. Bei einem Verkauf werden sie in Klasse-A-Aktien umgewandelt.Newsletter «Quantensprung»Wir prüfen Ideen, die wirklich etwas verändern könnten – und wie sie Realität werden. Jeden Freitag diskutiert unsere Wissenschaftsredaktion über visionäre Forschung und ihre Auswirkung auf die Welt – als Podcast und Newsletter.Jetzt kostenlos abonnierenMusk kommt auf diese Weise auf gut 82 Prozent der Stimmrechte und kann somit jede Aktionärsentscheidung allein bestimmen. Er ist zudem CEO, Chief Technical Officer und Chairman von SpaceX. Eine derartige Machtkonzentration bei einer öffentlichen Firma gibt es bis jetzt praktisch nicht.Fidelity Investments ~10 ProzentDer Vermögensverwalter aus Boston stieg im Januar 2015 gemeinsam mit Google mit insgesamt einer Milliarde Dollar ein. Damals war SpaceX erst rund 12 Milliarden Dollar wert. Fidelitys Anteil von rund 10 Prozent setzt sich aus diversen kleineren Positionen in Fonds zusammen. Über Fidelity-Fonds sind Millionen amerikanischer Kleinsparer schon seit Jahren an SpaceX beteiligt, was den wenigsten bewusst sein dürfte.Alphabet~5 ProzentDer Google-Konzern bewies wieder einmal Weitblick und investierte 2015 die Summe von 900 Millionen Dollar in SpaceX. Google interessierte vor allem die Idee von SpaceX eines globalen Satellitennetzwerks, und tatsächlich schickte die neue Sparte namens Starlink Anfang 2019 die ersten Satelliten ins All. Der Anteil von Alphabet an SpaceX lag ursprünglich bei gut 7 Prozent, wurde dann aber im Laufe der Jahre und Akquisitionen auf rund 5 Prozent verwässert.Valor Equity Partners~4 ProzentMit einem Anteil von rund 4 Prozent sticht die Beteiligung von Valor Equity Partners heraus. Die Investmentfirma wurde von Antonio Gracias gegründet, einem engen Vertrauten von Musk. Gracias sitzt auch im Verwaltungsrat von SpaceX und sass lange in dem von Tesla. Gracias unterstützte Musks Vision bereits von 2006 bis 2008, als SpaceX fast bankrott war. In den Jahren danach stockte er seinen Anteil immer wieder über Fonds auf.Diverse Hedge-Funds~2,5 ProzentEinzelpositionen von unter 5 Prozent müssen in den Börsenprospekten nicht ausgewiesen werden, weshalb nicht ganz klar ist, welche Firma einen wie grossen Anteil an SpaceX hält. Die grösste und am besten belegte Einzelposition hält D1 Capital Partners von Dan Sundheim: Sie hat seit 2020 in SpaceX investiert, als die Firma noch 36 Milliarden Dollar wert war; der Anteil dürfte heute 20 Milliarden Dollar wert sein. Weitere an SpaceX beteiligte Hedge-Funds sind Darsana (rund 0,5 bis 0,85 Prozent) und Coatue & Tiger Global (Anteil unbekannt).Echostar~2 ProzentDie Telekommunikationsfirma Echostar ist auf Satelliten spezialisiert und konkurrierte lange mit Starlink. Schliesslich verkaufte sie Musk aber ihre Mobilfunkfrequenzen im Wert von 17 Milliarden Dollar. Diesen Preis liess sich Echostar vor allem in Form von Anteilen an SpaceX auszahlen: 261,8 Millionen Aktien der Klasse A. Allerdings erhält Echostar diese Anteile erst, wenn der Verkauf der Frequenzen vollzogen ist (voraussichtlich November 2027). Wenn das aufgeht, hätte Echostar ein gutes Geschäft gemacht: Seine Anteile wären bei einer Marktbewertung von 1,75 Billionen nämlich 35 Milliarden Dollar wert.Ausgewählte Mitarbeiter~0,5 ProzentNeben Elon Musk hält der Unternehmer Luke Nosek die grösste belegte Einzelposition, nämlich 0,25 Prozent. Die beiden Männer arbeiteten bereits in den neunziger Jahren bei Paypal zusammen, das Nosek mitgegründet hatte. Später rief Nosek gemeinsam mit Peter Thiel die Wagniskapitalfirma Founders Fund ins Leben – die wiederum rettete SpaceX 2008 vor dem Bankrott. Nach drei missglückten Raketenstarts in Folge stellte ihr der Founders Fund einen Check über 20 Millionen Dollar aus. Zu verdanken war das offenbar vor allem Nosek. Seit damals und bis heute sitzt er im Verwaltungsrat von SpaceX.Eine andere Person mit einem bemerkenswerten Anteil an SpaceX ist die COO und Präsidentin des Unternehmens, Gwynne Shotwell. Im September 2002 stiess sie als eine der ersten Mitarbeiter zu SpaceX. Sie hält rund 0,10 Prozent an der Firma, was zum Ausgabepreis 1,7 Milliarden Dollar entspricht. Auch der Finanzchef Bret Johnsen soll einen milliardenschweren Anteil halten.Andere~34 ProzentUnzählige Wagniskapitalfirmen haben über die Jahrzehnte in SpaceX investiert – darunter Sequoia, a16z und allen voran der Founders Fund von Nosek, dessen Anteil von 3 Prozent der Firma nun Dutzende Milliarden Dollar einbringt. Da all diese Anteile aber unter 5 Prozent liegen, müssen sie nicht separat im Börsenprospekt ausgewiesen werden. Aus diesem Grund fallen in den Topf der «anderen Anteilseigner» unzählige Firmen – unter anderem der Chiphersteller Nvidia, der durch die Fusion von xAI und SpaceX einen Anteil erhielt. Den wohl grössten Block in dieser Kategorie bilden die Mitarbeiter, aber auch ihr kollektiver Anteil ist nicht bekannt. Das wird sich mit den Offenlegungspflichten nach dem Börsenstart ändern.Passend zum Artikel