Die Kaskaden des Saut du Day unterhalb von Vallorbe. Heinz Staffelbach Wie wohltuend ist es doch, anstelle von piependen Zugtüren das Gurgeln eines Baches zu hören: In der Orbe-Schlucht südwestlich von Yverdon folgt man dem langsamen Fluss der Natur.Kennen Sie das Phänomen der Reizüberflutung? Als (knapp) hochsensibler Mensch ist mir das leider ein allzu lebendiger Begriff. Der Gang vom Veloparkplatz durch die Unterführung auf den Zug reicht bei mir oft schon, um in den sensorischen Overflow zu geraten. Die lärmgetunten Autos. Die gehetzten Menschen. Ein halbes Dutzend Zugtüren, die gleichzeitig piepen. Oft ist bei mir bereits nach dem Hinsetzen eine Atemübung angesagt.Vielleicht die wirksamste Landschaft, um beim Wandern mein neuronales System zu beruhigen, ist ein Bach im bewaldeten Tal. Auf beiden Seiten eingepackt vom Grün der Bäume und neben dem Weg das Gurgeln des Wassers – das wirkt wunderbar. Keine Unterbrechungen. Einfach ein langsamer Fluss von Natur. Mehr braucht es nicht.Die perfekte Destination für eine lange Wanderung dem Waldbach entlang ist die Orbe-Schlucht südwestlich von Yverdon. Hier ist man über mehrere Stunden in einem solchen Raum der sensorischen Wellness unterwegs. Zwei Kilometer vom Bahnhof in Orbe, und man tritt ein in die Gorges de l’Orbe. Die Schlucht zieht sich über etwa ein Dutzend Kilometer hin und durchschneidet die erste Jurakette.Auf etwa halber Strecke liegt Les Clées. Der kleine Weiler war im Mittelalter eine Stadt von Savoyens Gnaden; von der Burg aus wurde der Verkehr über den Jougne-Pass kontrolliert. Der idyllische Innenhof des Château des Clées, wie der Komplex heute heisst, kann besichtigt werden, die Gebäude selbst sind allerdings privat und nicht zugänglich. Dafür gibt es am Fuss des Burghügels die Auberge de la Croix-Blanche, in der es an einem kühlen und regnerischen Tag einen wärmenden Kaffee zu haben gibt. Das Château des Clées in Les Clées. Heinz Staffelbach Noch etwas zum Thema Regen: Der offizielle Wanderweg führt vor Les Clées dem oberen Rand der Schlucht entlang. Beim Punkt 540 gibt es auch einen unteren Weg. Bei dem feinen Regen, der an meinem Recherchetag niederrieselte, war diese Route machbar, aber doch recht rutschig und etwas heikel. Beenden kann man die Tour in Le Day oder eine knappe Stunde weiter in Vallorbe.Koordinaten Start OrbeRoute Durch die Gorges de l’Orbe bis nach Le Day. 16,5 km, 700 m Aufstieg, 380 m Abstieg, zirka 4¾ Std., Schwierigkeit T2Verpflegung Orbe, Les CléesKarte 1 : 25 000, Blatt 1202; 1 : 50 000, Blatt 251 Newsletter Die besten Artikel aus «NZZ Bellevue», einmal pro Woche von der Redaktion für Sie zusammengestellt.
Die Gorges de l’Orbe im Jura sind Wander-Wellness schlechthin
Wie wohltuend ist es doch, statt piepender Zugtüren das Gurgeln eines Baches zu hören: In der Orbe-Schlucht bei Yverdon folgt man dem Fluss der Natur.







