Ski fahren, wo andere klettern: Wie der Pole Bartek Ziemski mit den Ski vom Mount Everest und dem Lhotse hinunterfuhrDen Skifahrer verschlug es eher zufällig auf die höchsten Berge der Welt. Mittlerweile war er mit den Ski auf neun Achttausendern. Nun freut er sich aufs Surfen im Sommer.Stephanie Geiger23.05.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenBartek Ziemski glaubt, seine Erfolge seien darauf zurückzuführen, dass nicht viele andere dasselbe versuchten.PDDer Aufstieg auf den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff ist angesichts der Menge an Bergsteigern, die am höchsten Berg der Welt mit Sauerstoffmaske unterwegs sind, ein Ausnahmeereignis. Nicht einmal zwei Prozent verzichten laut den Aufzeichnungen der Himalayan Database, der Chronik des Expeditionsbergsteigens in Nepal, auf Zusatzsauerstoff. 256 haben es geschafft, Mount Everest und Lhotse in einer Saison zu besteigen. Dieses Doppelpack wird immer beliebter. Aber auch hier zeigt sich: Insgesamt waren es bisher nur fünf, denen das ohne Flaschensauerstoff gelungen ist.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Unter diesen sticht der polnische Höhenbergsteiger Bartek Ziemski nochmals hervor. Der 31-Jährige ist Mitte Mai innerhalb einer Woche sowohl auf den 8516 Meter hohen Lhotse als auch auf den 8848 Meter hohen Mount Everest gestiegen – beide Male ohne Sauerstoffflasche. Zurück ins Basislager ging es jeweils auf Ski, was die noch grössere Sensation war.Die erste vollständige Skibefahrung vom Gipfel des Mount Everest ohne Sauerstoffmaske gelang im vergangenen Herbst zwar Ziemskis polnischem Landsmann Andrzej Bargiel. Im Gegensatz zu Ziemski, der ganz allein und ohne Unterstützung unterwegs war, hatte Bargiel aber ein grosses Team an seiner Seite. Dieses sicherte die Route, bereitete die Lager vor, legte die Spur, filmte den Aufstieg und die Abfahrt. Auch vom Lhotse gab es schon einmal eine Skibefahrung. Hilaree Nelson und ihr Partner Jim Morrison waren im September 2018 allerdings mit Sauerstoffmaske unterwegs.Diese Abfahrt ist nicht jedermanns Sache: Ziemski während seines Double-Headers Lhotse und Everest.PDDas sind alles wichtige Gründe, weshalb Billi Bierling von der Himalayan Database Ziemskis Erfolg ein «absolutes Highlight der Saison» nennt. «Obwohl der Double-Header Everest und Lhotse innerhalb weniger Tage inzwischen zum Massensport geworden ist, bin ich sprachlos, dass er es mit so wenigen Tagen der Regeneration so gut geschafft hat», sagt die Himalaja-Chronistin. Am 12. Mai stand Ziemski auf dem Lhotse, am 19. Mai auf dem Everest.Er sagt, es gebe bessere Bergsteiger und Skifahrer als ihnAnruf bei Ziemski im Everest-Basislager: Ist er der derzeit beste Höhenbergsteiger und auch der beste Skifahrer? Die Antwort fällt kurz aus. «Nein», sagt er. Ziemski ist kein Mann ausschweifender Worte. Erst auf Nachfrage gibt es eine kurze Begründung. Es gebe viel Bessere als ihn, sowohl bei den Bergsteigern als auch bei den Skifahrern. Weil das Höhenbergsteigen so viel Zeit in Anspruch nehme, mache es in Kombination jedoch kaum jemand. «In der Zeit, die man am Berg verbringt, könnte man so viele andere tolle Sachen machen.» Er nehme sich die Zeit, deshalb steche er möglicherweise hervor. Und deshalb erweckten seine Erfolge den Eindruck, dass er besonders gut sei.Eher durch Zufall hat es Ziemski auf die höchsten Berge der Welt verschlagen. Gern Ski fuhr er schon immer, später hat er mit dem Bergsteigen begonnen. 2022 wollte er einen höheren Berg besteigen und mit Ski abfahren. Er hatte sich einen Siebentausender vorgestellt. Mit dieser Idee ging er auf einen Freund zu, der ihm von seinen Plänen am Broad Peak erzählte.Bloss eine Woche nach dem Lhotse stand er am 19.Mai auf dem Everest.PDZiemski schloss sich ihm an, reiste nach Pakistan, fuhr mit Ski vom Broad Peak ab und fand Gefallen daran. Mittlerweile stand Ziemski ohne Flaschensauerstoff auf den Gipfeln von neun Achttausendern, von denen er dann mit Ski abgefahren ist: im Jahr 2022 neben dem Broad Peak auch vom Gasherbrum II; im Jahr 2023 von Annapurna und Dhaulagiri, an dem er nach der Abfahrt noch einmal aufgestiegen ist, um den verletzten Carlos Soria oberhalb von Lager 3 zu retten. 2024 fuhr er von Makalu und Kangchendzönga ab, im vergangenen Jahr vom Manaslu.Bei der Abfahrt vom Lhotse musste er sich besonders konzentrieren. Ein paar Meter kletterte er mit Ski an den Füssen über Fels ab, weil der Schnee vom Wind abgeblasen worden war. Und am Mount Everest umfuhr er den Südgipfel und stieg dann noch ein paar Meter auf. Ziemski sagt, die grösste Herausforderung bei dieser Expedition sei für ihn aber nicht das Bergsteigen oder das Skifahren gewesen, sondern die Unterbrechung der Arbeiten an der Route im Eisbruch durch die Icefall Doctors. Die Verzögerung verlangte von Ziemski gute Nerven. Um sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, stieg er zu der gefährlichen Passage im Eisbruch auf. Seine Aufnahmen leisteten schliesslich einen Beitrag dazu, dass die Arbeiten wieder in Gang kamen.Am Mount Everest. Bei der Unterbrechung der Arbeiten an der Route brauchte Ziemski Geduld.PDZiemski ist ein Mann der Tat. Das hat er 2024 auch am Kangchendzönga unter Beweis gestellt. Dort quittierte das Rope-Fixing-Team die Arbeit mit der Begründung, der Schnee sei im oberen Teil zu tief. Ziemski, der damals mit Oswald Pereira unterwegs war, packte kurzerhand seine Ski und stieg gemeinsam mit Pereira zum Gipfel auf. Am dritthöchsten Berg der Welt gelang ihm die erste vollständige Skiabfahrt.K2 oder Nanga Parbat würden ihn reizenGenauso überraschend kam auch der Aufstieg zum Lhotse. Ziemski wartete erst gar nicht, bis das Fixseil verlegt war. Er stieg einfach auf. Ein taktischer Coup. Das verschaffte ihm nämlich einen zeitlichen Vorteil für den Mount Everest. Weil er unabhängig unterwegs war, auf keinen Expeditionsveranstalter oder Sherpa angewiesen war, stieg er auf, als die grossen Expeditionen die benötigten Sauerstoffflaschen noch zum Lager 4 brachten und die Everest-Aspiranten erst langsam aufbrachen. «Am 19. Mai waren nicht so viele Leute unterwegs. Da konnte ich auf dem Südostgrat gut mit Ski abfahren», sagt er im Telefonat. Einen Tag später wurden 270 Frauen und Männer auf dem Gipfel gezählt.Ziemski am Everest. Vorerst hat Ziemski genug von den Bergen, im Sommer will er surfen.PDFür dieses Jahr hat Bartek Ziemski genug von den hohen Bergen. Statt nach Pakistan zu fahren, wo demnächst die Bergsteigersaison beginnt, geht er im Sommer surfen und Gleitschirm fliegen. Vielleicht steht dann im nächsten Jahr der K2 oder der Nanga Parbat auf dem Programm – Berge, bei denen Ziemski als Skifahrer ins Schwärmen kommt. Dort gebe es tolle «lines», findet er. Ist das Ziel die Skibefahrung sämtlicher 14 Achttausender? «Auf gar keinen Fall. Ich bin Skifahrer. Ich halte nichts davon, die 14 zu sammeln», sagt Ziemski. Skifahrerisch reizten ihn Cho Oyu und Shishapangma überhaupt nicht. Ausserdem sehe er nicht ein, viel Geld für Permits in China zu bezahlen. Das würde er allenfalls machen, wenn ein Sponsor die Kosten übernehmen würde.
Alpinismus: Ein Pole fährt von Mount Everest und Lhotse mit den Ski ab
Den Skifahrer verschlug es eher zufällig auf die höchsten Berge der Welt. Mittlerweile war er mit den Ski auf neun Achttausendern. Nun freut er sich aufs Surfen im Sommer.














