Die Politik kommt kaum voran mit ihrem Wunsch, den Wohnungsbau zu beschleunigen. Für das vergangene Jahr ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen um 18 Prozent gesunken auf 206.600 Wohnungen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Summe umfasst Wohnungen in neuen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden sowie neue Wohnungen in bestehenden Häusern. Ihre Zahl war damit so gering wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.Der Rückgang spiegelt die schwierige Marktlage im Wohnungsbau wider: Viele Vorschriften, langwierige Genehmigungen sowie höhere Kosten für die Finanzierung und den Bau erschweren die Geschäfte. Nach der Auswertung der Behörde hat sich die Zeit von der Genehmigungserteilung bis zur Fertigstellung weiter verlängert: Im Durchschnitt sind dies 27 Monate für Neubauwohnungen in Wohngebäuden, die im vergangenen Jahr fertiggestellt wurden. Im Jahr 2024 lag die Zeit noch bei 26 Monaten und im Jahr 2020 bei 20 Monaten.Immobilienverbände warnten am Freitag vor den Folgen des geringen Neubaus. Dirk Salewski, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, sieht darin einen Standortnachteil: „Die Leute, die am Wachstum arbeiten sollen, können nirgendwo in den Metropolen eine bezahlbare Unterkunft finden.“ Für den IVD-Präsidenten Dirk Wohltorf ist von einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt keine Rede. „Wer jetzt wegen des Bauturbos oder leicht steigender Genehmigungszahlen schon zufrieden ist, ignoriert die harte Realität.“ Axel Gedaschko, Präsident des Verbandes der Wohnungswirtschaft GdW, sprach von einem Alarmruf. Der Rückgang zeige, wie sehr der Wohnungsbau durch Überregulierung, hohe Baukosten und politische Unsicherheit ausgebremst werde: „Die Menschen spüren das längst durch weiter steigende Mieten und fehlenden Wohnraum.“Ein Bündnis von zwölf Immobilienverbänden fordert daher einen Neustart in der Wohnungspolitik. Die Branchenvertreter verlangen einen neuen gesellschaftlichen Konsens für den Wohnungsbau mit dem Ziel, dass Bauen für den Zusammenhalt im Land notwendig ist. Zu den Unterzeichnern zählen die drei erwähnten Verbände sowie Interessenvertreter von Architekten, der Bauindustrie oder auch der Pfandbriefbanken. Zu ihren Forderungen zählt der Wunsch nach mehr Fördermitteln, steuerlichen Abschreibungen und anderen Finanzhilfen. Auch sollte die Mietenregulierung nicht unnötig verschärft werden. Für das laufende Jahr rechnet das Bündnis mit einem weiteren Minus.Schon im Vorjahr kam es zu einem Rückgang der fertiggestellten Wohnungen um mehr als 14 Prozent. Davor lag die Zahl in den Jahren von 2019 bis 2023 bei rund 300.000 neuen Wohnungen. Auch das war geringer als der Bedarf vor allem in den Städten: Die Ampelkoalition hatte sich das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr gesetzt, aber verfehlt. Die aktuelle Bundesregierung nennt keine Zielvorgabe mehr.Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) setzt auf einen Wohnungsbauturbo: Damit sollen Bauvorschriften wegfallen und Städte auf einen Bebauungsplan verzichten können, um Zeit zu sparen. Sie sprach am Freitag von schlechten Zahlen, sie seien das „Resultat der vergangenen Krisenjahre“. „Rund 206.000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig. Das ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen“, sagte sie der „Rheinischen Post“. Jedoch zeigten die Baugenehmigungen für 2025 und das erste Quartal nach oben.Im März wurde der Bau von 21.800 Wohnungen in Deutschland genehmigt, fast zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Doch das liegt unter den Monatswerten der Jahre 2016 bis 2021. Für den dann folgenden Rückgang im Jahr 2022 sorgten der russische Angriff auf die Ukraine, höhere Energiepreise und wirtschaftliche Unruhe. Derzeit bleiben die Folgen des Irankriegs mit höheren Energiepreisen abzuwarten. Nach der neuen Statistik sind im Jahr 2025 35.700 Baugenehmigungen erloschen: Das war der höchste Wert seit dem Jahr 2002 und ein Anstieg um rund ein Viertel zum Vorjahr. Der preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im März kalender- und saisonbereinigt um rund zwei Prozent im Vergleich zum Vormonat gesunken.Vor allem der Bau neuer Wohnungen hat im vergangenen Jahr nachgelassen: Für Mehrfamilienhäuser sank die Zahl um fast 19 Prozent auf 109.800 fertiggestellte Wohnungen, für Einfamilienhäuser um etwa 23 Prozent auf 41.800 Wohnungen und für Zweifamilienhäuser um etwa 21 Prozent auf 13.800 Wohnungen. Hingegen sank die Zahl neuer Wohnungen in Bestandsgebäuden nur um rund zwei Prozent auf 30.700 Wohnungen.