Im Prozess um den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow dominieren die Nachrichten. Sprachnachrichten, Chatprotokolle, Audioaufnahmen – Sitzung für Sitzung legt das Landgericht Rostock das Innenleben einer Beziehung frei, die nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in einem Mord endete. Die Angeklagte: Gina H., ehemalige Partnerin des Kindsvaters. Das mutmaßliche Motiv: Eifersucht. Das Opfer: ein Kind.An fast jedem Verhandlungstag wurden bislang Dokumente aus der Beziehung zwischen Gina H. und Matthias R., dem Vater des Opfers, öffentlich gemacht. Sie zeigen: Das Verhältnis war auch nach der offiziellen Trennung nicht beendet. Selbst während der Untersuchungshaft soll Matthias R. die Angeklagte mehrfach besucht haben; die beiden näherten sich erneut an.
Die Rekonstruktion einer toxischen Dynamik
Die älteren Nachrichten machen vor allem das Ausmaß der Krise sichtbar. An eine Freundin schrieb Gina H.: „Mich hat noch nie eine Trennung so zerstört wie die mit Matthias.“ Ihren Ex-Partner flehte sie an: „Ich liebe dich doch über alles, und das habe ich schon immer getan. Bitte. Bitte komm her. Bitte. Ich brauche dich. Bitte. Bitte.“ Matthias R. warf ihr Kontrollzwang vor und klagte, sie habe ihm mit der Trennung alles genommen.Die jüngsten Chatprotokolle zeigen Gina H. bei dem Versuch, sich selbst zu erklären. Im September vergangenen Jahres schrieb sie: „Weil ich einfach im Mittelpunkt stehen möchte bei meinem Partner. Das, was ich in der Kindheit nicht hatte und auch so nicht, habe ich halt in der Partnerschaft gesucht.“Neben emotionalen Appellen setzte sie offenbar auch auf gesundheitliche Behauptungen: „Du weißt, ich habe auch einen Tumor im Kopf. Falls du das vergessen hast … Wunder dich nicht, wenn du irgendwann nichts mehr von mir hörst …“ Dazwischen Vorwürfe, Resignation, Abschiede: „Du wirst schon die Richtige finden, die Frau finden, mit der du glücklich bist, mit der du Party machen kannst und alles.“Dass es zwischendurch auch anders klang, belegt eine Sprachnachricht, bei deren Abspielen Gina H. die Hände vors Gesicht schlug: „Boah, Matthias, wenn das nicht alles so traurig wäre, würde ich einfach sagen: Komm her und lass uns f****n.“ Matthias R. schrieb ihr nach einem Treffen: „Gestern das Gespräch und der Kuss hat mir gesagt, dass die Hoffnungen noch lange nicht verloren sind.“
















