Was sind diese Dänen nur für Menschen? Der Wal, dessen Schicksal uns Deutsche wochenlang stärker umtrieb als die Kriege in der Ukraine und in Iran zusammen, geht ihnen voll am Allerwertesten vorbei. Erst interessierte sich keine Sau für den Meeressäuger, obwohl Dänemark, wie einst einer unserer Korrespondenten schrieb, ein Schweineland ist, natürlich nur auf die Zahl der dort gemästeten Ferkel bezogen.Dann kam immerhin ein einsamer alter weißer Mann an den Strand, um dem Wal die letzte Ehre zu erweisen. Doch was macht der Dänen-Opa? Klettert auf den Kadaver und lässt sich auf ihm fotografieren, weil er so eine Gelegenheit noch nie gehabt habe. Diese Leichenschändung ging sogar unserer „Bild“-Zeitung zu weit: „Kein Gefühl! Kein Respekt! Keine Würde! Einfach widerlich!“Die einzige Sorge, die die Dänen hatten, war, dass die Touristen wegbleiben würden, wenn der Wal so nahe am Strand vergammelt und am Ende noch explodiert, weil sich in ihm Fäulnisgase ansammeln wie in einer Biogasanlage. Nie war es so berechtigt festzustellen: Es ist etwas faul im Staate Dänemark! Deshalb sollte die anschwellende Biobombe in einen Hafen geschleppt und dort entschärft werden. Das gelang den Behörden aber nicht.Weil auch über Dänemark die Sonne scheint, könnte der Wal ausgerechnet an Pfingsten platzen, was freilich kein Wunder wäre. Die Möwen, die sich auf ihm niederließen wie die feurigen Zungen auf den Häuptern der Jünger Jesu, halten inzwischen schon lieber wieder Abstand.Dass Timmy eine Tilly ist, hätte Till Backhaus auffallen müssenAber was heißt hier „ihm“: Timmy, wie er im Überschwang der Gefühle getauft wurde, war, anders als die Heerscharen von Walspezialisten glaubten, gar kein Bulle, sondern ein Mädchen, also eine Tilly. Das hätte mindestens und besonders Till Backhaus auffallen müssen, dem Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, der nach eigener Zählung „elfmal direkt am Wal war“ und befand: „Wenn man einem Wal einmal in die Augen geschaut hat, ist man ein anderer Mensch.“Damit lässt sich zwar erklären, warum Backhaus zuerst gegen die Verschleppung des damals noch lebenden Wals war und dann dafür. Aber wie konnte ihm trotz der intimen Nähe entgehen, dass er nicht einem Bullen ins Auge und damit in die Seele blickte, sondern einer Kuh? Die Deutschen würden Backhaus doch zu Füßen liegen wie Bogart, hätte Till zu Tilly wie Rick zu Ilsa in „Casablanca“ geflötet: „Ich seh dir in die Augen, Kleines!“Nun aber wird der Minister behandelt wie die üblichen Verdächtigen, was allerdings auch keine Überraschung ist, da er ja behauptet, nicht mehr Till Backhaus zu sein, sondern ein anderer Mensch. Doch ist das Misstrauen, das insbesondere Politikern entgegenschlägt, wenn sie sich ändern, nicht etwas übertrieben?Die Diskussion um Söders BartNehmen wir nur die Diskussion um des Söders Bart. Manche behaupten, dessen Verschwinden sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass auch der CSU-Vorsitzende glaube, die Regierung Merz werde wegen der Gärungsprozesse in der Koalition unweigerlich platzen wie Tilly. Und dass Söder sich schon als gepflegter Ersatzkanzlerkandidat präsentieren wolle, der sich vom Krawall-Saulus zum Konsens-Paulus gewandelt habe.Tatsächlich hat Söder ja auch feierlich erklärt, dass er fortan „anders“ auftreten werde, verbindlicher, verständnisvoller, versöhnlicher. Hinter einer solchen Auftrittsveränderung muss man aber doch nicht immer gleich und nur krankhaften Ehrgeiz vermuten. Vielleicht blickte Söder eines Morgens in den Spiegel und sich selbst so ins Auge, dass er zu der Überzeugung gelangte, in jedem Fall ein anderer Mensch werden zu müssen, ob die Koalition in Berlin weiter verwest oder nicht.Doch warum verbreiten dann seine Spindoktoren, dass nur ein Rasierunfall Grund für das Verschwinden des Bartes gewesen sei? Glauben selbst sie nicht an seine Wandlung vom Schmutzler zum Schmeichler? Wir werden das aufmerksam verfolgen. Aber erst ist noch genauestens zu klären, wer Schuld hat an der Timmy/Tilly-Tragödie. Und mindestens in der unweigerlich folgenden Verfilmung derselben muss dann natürlich gelten: Auge um Auge!