Dieser Einbruch fällt stärker aus als von den Experten befürchtet. 2025 wurden in Deutschland nur noch 206.600 Wohnungen gebaut, 45.500 weniger als im Vorjahr. So wenige waren es seit 2021 nicht mehr. Beim Institut der deutschen Wirtschaft hatte man zumindest mit 235.000 Wohnungen gerechnet. „Dass die Zahlen nun so niedrig sind, liegt daran, dass die Abwicklungsdauer leider weiter gestiegen ist“, sagte der Immobilienexperte des Instituts, Ralph Henger, dem Tagesspiegel. Offensichtlich fällt es den Entwicklern demnach noch schwerer als gedacht, vor dem Ukraine-Krieg genehmigte Projekte bei den heutigen Zinsen und Baupreisen zu finanzieren. „Die schlechten Zahlen von 2025 sind das Resultat der vergangenen Krisenjahre“, sagte Bauministerin Verena Hubertz (SPD) auf Anfrage. „Rund 206.000 gebaute Wohnungen im letzten Jahr sind zu wenig. Das ist die ehrliche Botschaft an alle, die heute eine Wohnung suchen.“Die Baugenehmigungszahlen im Jahr 2025 sowie im ersten Quartal 2026 zeigen deutlich nach oben.Bauministerin Verena Hubertz (SPD)Hubertz stellte zugleich Besserung in Aussicht. „Die Baugenehmigungszahlen im Jahr 2025 sowie im ersten Quartal 2026 zeigen deutlich nach oben“, sagte sie. Ihre Baupolitik, die auf Investitionen, Beschleunigung und die Reduzierung der Baukosten setze, zeige bereits Wirkung.Tatsächlich stiegen die Baugenehmigungen 2025 um fast 11 Prozent auf 238.100 Einheiten – das erste Plus seit 2021. Experten fürchten, dass der Wohnungsbau so schnell nicht aus der Krise kommt, auch wenn die Baugenehmigungen im ersten Quartal weiter um 15 Prozent anzogen. Experten erwarten Kopie des Ukraine-Szenarios Denn dass die durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Energiekrise den Wohnungsbau aufgrund der steigenden Baupreise und Zinsen derart ausgebremst hat, lässt für die Zukunft nichts Positives erahnen. Inzwischen hat nämlich der Iran-Krieg für den nächsten externen Schock beim Wohnungsbau gesorgt. Seit Beginn des Iran-Kriegs haben sich Baumaterialien sowie Transportkosten für Baufirmen verteuert, was diese auf die Preise umlegen – etwa für Stahl, Beton, Dämmstoffe und Folien. Schon im ersten Quartal seien die Baukosten um sechs Prozent gestiegen, sagte Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). Mit Inflationsängsten im Zuge des Ölpreisschocks haben zudem die Kreditzinsen angezogen, was Projekte für Investoren und Bauherren verteuert.Investoren könnten sich deshalb auch schwertun, 2025 und Anfang 2026 genehmigte Bauprojekte zu realisieren, weil die Bau- und Finanzierungskosten abermals viel höher ausfallen als erwartet. Die Stimmung in der Branche ist bereits eingebrochen. Sie ist laut einer Konjunkturumfrage im April so stark zurückgegangen wie seit rund vier Jahren nicht mehr. Das Geschäftsklima fiel laut dem Münchner Ifo-Institut von minus 19,3 auf minus 28,4 Punkte – der stärkste Rückgang seit April 2022. Damals wirkte sich der Beginn des Ukraine-Kriegs aus. 185.000Wohneinheiten könnten laut Ifo-Institut 2026 lediglich fertiggestellt werden.Nun sei der Iran-Krieg der Grund für den Einbruch der Geschäftserwartung, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, dem Tagesspiegel. Wenn es nicht schnell eine Entspannung in der Straße Hormus gebe, würden sich Kostensteigerungen durch die gesamte Wertschöpfungskette der Baubranche fressen. Hinzu kämen die steigenden Hypothekenzinsen. Die Unternehmen rechneten deshalb mit weniger Aufträgen, weil sich viele Bauprojekte nicht mehr lohnten. Der Aufschwung werde abgewürgt, sagte Wohlrabe. Das Ifo-Institut erwartet deshalb, dass in diesem Jahr nur noch 185.000 Wohneinheiten fertiggestellt werden. Muss der Staat Eigenkapital ersetzen? Die Präsidentin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Iris Schöberl, forderte die Bundesregierung auf, gegenzusteuern. Wenn jetzt das Eigenkapital vieler potenzieller Bauherren nicht reiche, solle der Staat mit Bürgschaften, Garantien oder Zuschüssen einspringen, sagte sie. „Das würde den Erwerb von Wohneigentum massiv erleichtern.“ Schöberl sprach sich zudem dafür aus, beim Kauf der ersten Wohnung die Grunderwerbssteuer auszusetzen. Bauministerin Hubertz setzt hingegen darauf, dass der Bauturbo, der die Genehmigung von Wohnungsbauprojekten deutlich vereinfacht, bald wirken wird. Er finde in sehr vielen Kommunen bereits heute Anwendung. Man investiere zudem Rekordmittel in den sozialen Wohnungsbau. Die SPD-Politikerin kündigte zudem eine Erneuerung des Baugesetzbuches an, was „Planungs- und Genehmigungsprozesse noch einmal deutlich beschleunigen wird“. Unter anderem will sie den sogenannten Gebäudetyp E etablieren, der das Bauen mit weniger rigorosen Komfort-Standards erleichtern soll. Die Grünen kritisieren die Regierung scharf. „Millionen Menschen in diesem Land ächzen unter den steigenden Mieten, die Zahl neuer Wohnungen implodiert, und in dieser Situation wird die Bundesregierung auch noch das Wohngeld kürzen“, sagte der Sozialpolitiker Timon Dzienus dem Tagesspiegel. Die Last dieser Entwicklung dürfe nicht einseitig auf den Schultern der Bürgerinnen und Bürger abgeladen werden. „Das Wohngeld hilft vor allem Rentnern und Familien und verhindert Wohnungsverlust“, betonte Dzienus. Die angedrohte Wohngeldkürzung sei die schlimmste Sozialkürzung der Bundesregierung. (mit dpa)
Folgen des Iran-Kriegs: Deutschland schlittert in die nächste Krise beim Wohnungsbau
2025 wurden noch weniger Wohnungen als zuvor gebaut. Nun gefährdet die Blockade der Straße von Hormus die Baukonjunktur. Experten erläutern, welche Gefahr von der erneuten Energiekrise ausgeht.











