Ein Stockwerk über mir im Haus wohnt ein junger Mann, der vermutlich seit Jahren kein Lebensmittelgeschäft mehr von innen gesehen hat. Manchmal begegnen wir uns im Treppenhaus, nicken uns kurz zu und schauen sofort wieder weg. Ich weiß rein gar nichts über ihn. Nur, dass er offenbar nie kocht, sich dafür aber fast jeden Tag etwas zu essen bestellt.
Ständig klingelt bei uns unten im Haus ein Wolt-, Uber-Eats- oder Lieferando-Fahrer. Ob man ihn nicht reinlassen könne? Na klar, kein Problem, auch wenn ich gerade unter der Dusche stand. Nicht erst seit ich gelesen habe, welche zwielichtigen Subunternehmer diese meist jungen Inder und Pakistani als Fahrradkuriere ausbeuten, tun mir die Lieferanten leid.
Was mich allerdings ärgert: Wenn ich von meiner Wohnungstür nach oben spähe, steht dort regelmäßig eine ganze Kompanie Lieferdienst-Papiertüten mit Verpackungsresten stramm, die langsam vor sich hin müffelt. Ein paar Tage später entdecke ich sie unten in den allgemeinen Mülltonnen wieder – was mich jedes Mal noch mehr ärgert, weil nicht einmal Essensreste von Papier und Plastik getrennt wurden.
Spitzengastronomie auf Wolt bestellt
Natürlich verstehe ich, wenn man sich im Notfall etwas zu essen bestellt. Und trotzdem stehe ich mit regelmäßigem Lieferessen auf Kriegsfuß. Den Qualitätsverlust nicht mal eingepreist, weil sich bis auf einige Reisgerichte das meiste doch gar nicht wirklich eignet und oft kalt und fad ankommt. Der Hauptgrund gegen das Bestellen ist bei mir tatsächlich mein schlechtes Gewissen, weil ich keine Boten hechelnd bis hinauf zu mir in den vierten Stock hetzen will.Als ich jedoch mitbekam, dass The Duc Ngo nun für begrenzte Zeit eine Bento-Box mit einem kuratierten Sechs-Gänge-Omakase-Menü über die Plattform Wolt ausliefert, wollte – nein, musste – ich einfach eine Ausnahme machen.







