Mit fünfzehn Leuten in Bern und 15 000 Unterschriften im Internet: Leuk wehrt sich weiter gegen die Starlink-Bodenstation von Elon MuskDie Ärzte Hanna Schnyder-Etienne und Roman Kuonen kämpfen nun auch in Bundesbern gegen die vierzig Antennen, die oberhalb des Walliser Dorfes gebaut werden sollen.22.05.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenNoch stehen auf dem Brentjong-Plateau oberhalb von Leuk die alten Parabolantennen, auch «Ohren von Leuk» genannt.Gaëtan Bally / Keystone«Nein zu den Launen eines Techmilliardärs!», steht auf einem der Plakate vor dem Bundeshaus. Auf einem anderen: «Keine Starlink-Antennen in Leuk!»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Fünfzehn Leukerinnen und Leuker sind am Donnerstag nach Bern gefahren, um dem Bundesrat eine Petition zu übergeben. Sie protestieren damit gegen die vierzig Antennen, die oberhalb von Leuk gebaut werden sollen. Mit der Anlage will SpaceX, ein Unternehmen des Milliardärs Elon Musk, sein satellitenbasiertes Internet namens Starlink verbreiten.Der Besuch in Bern ist die nächste Episode einer Geschichte, die manche für eine Lokalposse halten, andere dagegen für eine geopolitische Schicksalsfrage.25 Einsprachen sind eingegangenEin Blick zurück: Im Juni 2025 erfährt Hanna Schnyder-Etienne in der Lokalzeitung vom Projekt auf dem Brentjong-Plateau, wo gegenwärtig noch Satellitenschüsseln aus dem Jahr 1973 stehen. Schnyder-Etienne hat 35 Jahre lang als Hausärztin im Ort gearbeitet und sorgt sich: um die Gemeinde, um die Gesundheit.Sie ruft Roman Kuonen an, mit dem sie sich jahrelang die Gemeinschaftspraxis im Dorf teilte. Die beiden gründen den «Verein zum Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk», lesen Studien, veranstalten Informationsabende, sprechen mit den Medien. Obschon 25 Einsprachen bei der Gemeinde eingehen, erteilt sie die Baubewilligung.Im 21 Seiten langen Bauentscheid, der dieser Zeitung vorliegt, verweist die Gemeinde unter anderem auf eine «Hochfrequenzstudie», die von SpaceX durchgeführt worden sei. «Die Studie kam zum Schluss, dass die Antenne innerhalb der Sicherheitsspanne für elektromagnetische Strahlungen arbeitet und somit sicher ist», bilanziert die Gemeinde im Bauentscheid.Doch Schnyder-Etienne zweifelt an der Studie. Schon deshalb, weil sie von SpaceX durchgeführt worden sei, sagt sie an diesem Donnerstag in Bern. Weiter beleuchte die Studie nur die Auswirkungen von einer Antenne. «Aber es würde nicht nur eine gebaut, sondern vierzig.» Auch behauptet Schnyder-Etienne, dass die Antennen in einem Winkel von 140 Grad strahlen würden und folglich die Einwohnerinnen und Einwohner träfen. «Und es gibt Studien, die nachweisen, dass diese Strahlen bei Mäusen krebserregend sind.» Sie plädiert dafür, erst weitere Forschungen abzuwarten, bevor SpaceX die Antennen baut.Der «Verein zum Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk» hat deshalb beim Kanton Wallis Einsprache gegen die Baubewilligung eingelegt. Die typische Schweizer Antwort beim Gefühl von Unbehagen? Es gibt Einsprachen gegen wenige Zentimeter zu hohe Mauern, gegen Wohnhäuser, Fussballstadien, Windräder – und jetzt auch gegen Starlink-Antennen.Doch in Leuk sind viele Leute überzeugt, dass es um mehr geht. Etwa um Elon Musk. An der örtlichen Fasnacht im Februar wurde er hochgenommen: Die Fasnächtler verkleideten sich als Astronauten und malten ein Bild des Milliardärs, wie er neben den Satelliten auf dem Brentjong-Plateau steht. «Wir strahlen mehr», stand in der Sprechblase geschrieben.Kuonen will eine GrundsatzdebatteDer Bundesrat hat sich nach einer Interpellation des Grünen-Nationalrates Christophe Clivaz Anfang Mai bereits zu den vierzig Antennen geäussert. Er sei sich «der strategischen Bedeutung moderner Satellitenkonstellationen wie Starlink bewusst», schrieb er in seiner Antwort. Gleichzeitig machte er klar, dass er derzeit keinen Handlungsbedarf sieht.Die Petition soll nun dafür sorgen, dass sich der Bundesrat «der Gefahren dieser Antennen endlich bewusst» werde, sagt Kuonen. Er wünscht sich eine Grundsatzdebatte: «Welche Gefahren gehen von solchen Strahlen aus? Und will man Elon Musk wirklich den roten Teppich ausrollen?»Dann übergeben Kuonen und Schnyder-Etienne die Petition der Bundeskanzlei. Darunter sind auch knapp 15 000 Unterschriften, die sie gemeinsam mit der Kampagnenorganisation Campax im Internet gesammelt haben. Danach stellen sich die fünfzehn Leukerinnen und Leuker mit den Plakaten zu einem Gruppenfoto auf. «Nicht lachen», sagt die Campax-Mitarbeiterin, bevor sie das Foto schiesst. «Das Thema ist ja nicht lustig.»Leuk als «Angriffsziel ersten Ranges»Die Veranstaltung weiss nicht so recht, was sie sein soll. Schnyder-Etienne hat ihre Familie mitgebracht. Einige haben Wanderrucksäcke geschultert. Ein Mann trägt einen Pin mit der Aufschrift «Free Tibet». Gleichzeitig schwirren zwei Kameraleute um Schnyder-Etienne und Kuonen herum, weil sie einen Dokumentarfilm drehen.Am Schluss halten Schnyder-Etienne und Kuonen eine Rede. Die beiden sind adrett gekleidet und wählen ihre Worte sorgfältig. Sie verwenden Fachbegriffe, sprechen von «Streustrahlung» oder «kumulativen Effekten». Sie sind keine Schwurbler, keine Dampfplauderi oder Wichtigtuer. Sie scheinen zu wissen, wovon sie reden. Irgendwann in seiner Rede sagt Kuonen, mit den Starlink-Antennen werde Leuk zu einem «Angriffsziel ersten Ranges».In diesem Widerspruch bewegt sich diese Geschichte: Kuonen sieht in den vierzig Antennen knallharte Geopolitik, die Gemeinde Leuk einen einfachen Bauentscheid zur Parzelle 4530. Gemeindepräsident Alain Bregy klang fast überrascht ob der vielen Reaktionen, als er im Winter sagte: «Das ist keine Volksabstimmung, sondern ein normales Baugesuch, welches gemäss den geltenden Gesetzen behandelt wird.»Mit den geltenden Gesetzen befasst sich gegenwärtig der Kanton Wallis, der nach der Einsprache des Vereins prüfen muss, ob die Baubewilligung rechtens ist. Kuonen erwartet den Entscheid im Laufe des Sommers. Bis dahin ist das Projekt sistiert. Kuonen sagt, notfalls ziehe er auch vor das Bundesgericht. Schnyder-Etienne stellt sich neben ihn in den Schatten. Heiss sei es heute, sagt sie. Vorderhand machen den beiden noch die Sonnenstrahlen zu schaffen und nicht jene der Antennen.Passend zum Artikel