PfadnavigationHomeRegionalesHamburgTodesfallSterbehilfe-Verein informiert über Tod des früheren Hamburger Justizsenators Roger KuschStand: 20:42 UhrLesedauer: 3 MinutenRoger Kusch, hier im Jahr 2015, lebte und arbeitete in HamburgQuelle: picture alliance/IPON/Stefan BonessRoger Kusch, ehemaliger Hamburger Justizsenator und Gründer von „Sterbehilfe Deutschland“, ist tot. Er wurde am Donnerstag in Hamburg leblos aufgefunden. Erst vor wenigen Tagen hatte er sein Vereinsamt verloren.Der frühere Hamburger Justizsenator Roger Kusch ist tot. Nach Medienberichten wurde der 71‑Jährige am Donnerstag in Hamburg leblos aufgefunden; die Polizei bestätigte den Fund eines leblosen Menschen, nannte zunächst aber keine weiteren Einzelheiten. Am frühen Abend veröffentlichte der von Kusch gegründete Verein Sterbehilfe eine entsprechende Mitteilung an die Mitglieder. Darin heißt es, man habe „heute die traurige Nachricht erhalten“, dass der ehemalige Präsident Roger Kusch „verstorben ist“. Der Vorstand erklärte weiter, man sei „darüber tief erschüttert“, die Gedanken seien bei „seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden“. Zugleich bat der Verein darum, „respektvoll und umsichtig“ mit der Situation umzugehen und „die Privatsphäre der Betroffenen zu wahren“. Außerdem teilte der Vorstand mit, man könne sich „derzeit nicht weiter dazu äußern“ und werde informieren, „sobald es möglich ist“. Wenige Tage vor seinem Tod war Kusch nach Angaben des Vereins bei einer ordentlichen Generalversammlung als Präsident des Vorstands abgewählt worden, wie auf der Homepage in einem weiteren Eintrag zu lesen ist.Zu den Umständen des Todes machten offizielle Stellen zunächst keine Angaben. Mehrere Medien berichten, es deute vieles auf Suizid hin. Lesen Sie auchKusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg im Senat des damaligen Ersten Bürgermeisters Ole von Beust (CDU). Geboren wurde er am 19. August 1954 in Stuttgart; er studierte Rechtswissenschaften und promovierte in Hamburg. Vor seiner Hamburger Zeit arbeitete Kusch in verschiedenen Funktionen im Justizdienst und in Bundesinstitutionen.Das politische EndeKusch verlor sein Senatorenamt im Frühjahr 2006 im Zuge der sogenannten Protokollaffäre: Im Kern ging es um die unrechtmäßige Weiterleitung vertraulicher Protokolle mit Zeugenaussagen aus dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Feuerbergstraße“ zu einem geschlossenen Heim für Jugendliche; nach damaligen Recherchen der WELT wurde ein Protokoll aus der Justizbehörde auch an Personen außerhalb der Behörde weitergeleitet – nach WELT‑Informationen an Kuschs Rechtsanwalt, außerdem sollte es an einen Mitarbeiter der CDU/CSU‑Bundestagsfraktion gelangt sein. Nachdem Kusch öffentlich bekräftigt hatte, er sehe keinen Anlass zurückzutreten, entließ von Beust ihn und verwies auf ein fehlendes „Grundvertrauen“. Kusch beharrte auf seinem Standpunkt und gab noch in der Justizbehörde eine denkwürdige letzte Pressekonferenz, die er zum Teil auf einem Stuhl stehend abhielt.Streit zwischen von Beust und SchillIn der Auseinandersetzung zwischen von Beust und Ronald Schill (2003) spielte Kusch zuvor insofern eine Rolle, als von Beust vor der Presse schilderte, Schill habe in einem Vier-Augen-Gespräch gedroht, öffentlich zu machen, von Beust habe seinen „angeblichen Lebenspartner, Justizsenator Dr. Kusch“, zum Senator gemacht und damit Privates und Politisches vermengt; von Beust wies das zurück und bezeichnete Kusch als langjährigen Freund aus dem Studium und Mieter einer von ihm gekauften Wohnung.Nach dem Ende seiner Amtszeit verließ Kusch die CDU und gründete später eine eigene Partei („HeimatHamburg“), die aber keinen Erfolg hatte. In der Folge konzentrierte er sich auf das Thema assistiertes Sterben und gründete den Verein „Sterbehilfe Deutschland“, der dann in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Debatte über Suizidhilfe eine große Rolle spielte und der auch in mehreren Gerichtsverfahren eine Rolle spielte. Wenn Sie selbst an Suizid denken oder sich Sorgen um einen nahestehenden Menschen machen: Hilfe gibt es rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter 116 123 (kostenfrei) oder online. In akuten Notfällen wählen Sie bitte 112.