Richard „Harry“ Harris war wie hypnotisiert von dem, was vor ihm lag: ein riesiger, schwarzer, klaffender Abgrund, den noch nie ein Mensch erkundet hat. Um hierherzukommen, auf 230 Meter Tiefe in der Pearse Resurgence, einer der gewaltigsten Wasserhöhlen der Welt, waren zwei Hubschrauber, drei Wochen Tests und zwei Tonnen Ausrüstung nötig. Als er in den Abgrund starrte, spürte Harris den vertrauten Sog – vielleicht könnte er noch ein wenig tiefer gehen?Anzeige

Er blickte zu seinem Tauchpartner Craig Challen, ein paar Meter rechts von ihm. Selbst durch Taucherbrille und Atemgerät, dessen dicke Schläuche wie Mammut-Stoßzähne aussahen, konnte Harris sehen, dass Challen dasselbe dachte. Sie tauchen schon seit Jahren in immer gefährlicheren unerforschten Höhlen. Damit gehörten sie zu den wenigen Menschen, die 2018 bei der Rettung einer thailändischen Fußballmannschaft aus einer Höhle helfen konnten.

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 3/2024 von MIT Technology Review erschienen. Darin beschäftigen wir uns damit, was nach ChatGPT und Co. kommt. Hier könnt ihr die TR 3/2024 bestellen.

Harris und Challen kennen das extreme Risiko und sich gegenseitig gut. Sie wollen beide unbedingt in dunkle Weiten vorstoßen. Trotzdem kehrten sie auf Harris’ Zeichen hin um. Sie waren jetzt, im Februar 2023, weder in dieser Höhle, um ihren eigenen, drei Jahre alten Tiefenrekord von 245 Metern zu brechen. Noch wollten sie einen neuen Weltrekord aufstellen – dazu müssten sie über 308 Meter hinausgehen. Sie waren dort, um einen möglichen Weg zu noch größeren Tiefen zu erforschen: die Wasserstoffatmung.Anzeige