Die Inflation in Deutschland dürfte nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank „bei aufwärtsgerichteten Risiken erhöht“ bleiben. Im Mai und Juni dürfte die befristete Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel die Inflationsrate unter sonst gleichen Umständen allerdings vorübergehend um etwa einen Viertelprozentpunkt reduzieren. Das schreibt die Notenbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht für Mai.Die Inflationsrate in Deutschland im April belief sich auf 2,9 Prozent, nach 2,7 Prozent im April. Im Euroraum insgesamt hat die Rate im vergangenen Monat schon 3,0 Prozent erreicht.Auswirkungen auf einzelne Dienstleistungen„Der Ausblick hängt maßgeblich vom weiteren Verlauf des Nahost-Kriegs ab“, heißt es in dem Bericht weiter. Entscheidend hierfür seien die seit der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten stark gestiegenen Energierohstoffpreise.Zudem sei zu erwarten, dass die höheren Energie-, Produktions- und Transportkosten nach und nach auch auf die Preise für Nahrungsmittel, Industriegüter ohne Energie sowie einzelne Dienstleistungen durchschlügen. Umfang und Dauer dieser indirekten Effekte seien allerdings mit erheblicher Unsicherheit behaftet, schreiben die Bundesbank-Ökonomen: „Sie hängen, ebenso wie die direkten Effekte über gestiegene Energiepreise, maßgeblich vom weiteren Verlauf des Krieges ab.“Zinserhöhungen werden wahrscheinlicherDarüber hinaus berge ein merklicher Anstieg der Inflationsrate grundsätzlich das Risiko von Zweitrundeneffekten. Dies wäre etwa der Fall, wenn sich der ursprüngliche Preisschock in höheren Löhnen oder Inflationserwartungen oder einer geänderten Preissetzung niederschlüge.„Zweitrundeneffekte über Löhne treten jedoch in Deutschland normalerweise erst mit größerer zeitlicher Verzögerung und vor allem dann auf, wenn der Inflationsanstieg mit einer höheren gesamtwirtschaftlichen Nachfrage einhergeht“, schreibt die Bundesbank. Die Inflationserwartungen könnten sich dagegen wegen der jüngeren Erfahrung mit sehr hohen Inflationsraten schneller anpassen.Bundesbankpräsident Joachim Nagel hatte zuletzt über die nächste Zinssitzung der Europäischen Zentralbank im Juni gesagt: „Zinserhöhungen werden immer wahrscheinlicher, wenn sich das Inflationsbild nicht grundsätzlich ändert.“ Nagel sagte weiter, er und seine Kollegen würden auf Grundlage der Daten entscheiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Preisdruck ausweite, nehme jedoch zu.