Die Inflation in Deutschland belief sich im Mai auf 2,6 Prozent. Das hat das Statistische Bundesamt am Freitag aufgrund einer ersten Schätzung mitgeteilt. Im April hatte die Rate 2,9, im März 2,7 und im Februar 1,9 Prozent betragen.Insbesondere der Tankrabatt, der seit dem 1. Mai gilt, dämpfte die Teuerung etwas. Die Bundesbank rechnet für Mai und Juni damit, dass die Rate dadurch unter sonst gleichen Umständen 0,25 Prozentpunkte tiefer ausfällt. Danach soll die Steuer ja eigentlich wieder angehoben werden.Die Teuerung der Energie ging gegenüber April von 10,1 auf 6,6 Prozent zurück. Lebensmittel verteuerten sich auf Jahressicht um 0,4 Prozent, nach 1,2 Prozent im April. Waren wurden 2,2 Prozent teurer nach 2,9 Prozent im April. Und die Teuerung für Dienstleistungen belief sich auf 3,1 Prozent, nach 2,8 Prozent im April. Die Kerninflation, das ist die Teuerung ohne Energie und Lebensmittel, stieg gegenüber April von 2,3 auf 2,5 Prozent.Nächste Zinsentscheidung der EZB am 11. JuniSeit Beginn des Irankriegs liegt die Inflationsrate in Deutschland damit oberhalb des Ziels von zwei Prozent, das die Europäische Zentralbank (EZB) für den Euroraum insgesamt anstrebt.In Frankreich kletterte die Inflationsrate im Mai auf 2,8 Prozent, in Italien auf 3,3 Prozent und in Spanien auf 3,6 Prozent.Eine Zinserhöhung der Notenbank am 11. Juni um 0,25 Prozentpunkte gilt jetzt als so gut wie sicher. Es wäre damit die erste EZB-Zinserhöhung seit September 2023.EZB-Direktorin Schnabel nennt Zinserhöhung „nötig“„Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel in einem Interview. Ähnlich hatte sich Bundesbankpräsident Joachim Nagel für den Fall geäußert, dass es keine unerwarteten Entwicklungen gebe.EZB-Chefvolkswirt Philip Lane kündigte an, dass die Notenbank ihre Inflationsprognose werde erhöhen müssen. Es sei davon auszugehen, dass die Ölpreise im Vergleich zu den Annahmen der Notenbank vom März über einen längeren Zeitraum auf erhöhtem Niveau blieben.Selbst der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras, der sonst als Taube gilt, also als Verfechter einer lockeren Geldpolitik, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Um die Glaubwürdigkeit der EZB und unserer Reaktionsfähigkeit zu wahren, werden wir die Zinsen im Juni wahrscheinlich anheben müssen.“Zwar könne die EZB mit einer Zinserhöhung („hike“) die Straße von Hormus nicht öffnen und so für billigeres Öl sorgen, hebt Andreas Pischetsrieder von der Fürst Fugger Privatbank hervor. Die Notenbank hofft aber, über die Inflationserwartungen und die aggregierte Nachfrage Einfluss auf die mittelfristige Inflationsentwicklung nehmen zu können. Die Finanzmärkte rechnen mit einer Zinserhöhung im Juni – und dann mit mindestens noch einer weiteren in den Monaten danach.Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der EZBLucas BäumlFür Sparer und Hausbauer könnte ein solcher Schritt tendenziell höhere Zinssätze bedeuten; allerdings hatten die Märkte eine Zinserhöhung zuletzt schon weitgehend „eingepreist“, wie Analysten sagen. Dann wären die Auswirkungen wohl nicht gewaltig. Für Tagesgeld gab es nach Zahlen der FMH-Finanzberatung zuletzt im Schnitt 1,58 Prozent Zinsen. Für Hypothekendarlehen mit zehn Jahren Zinsbindung zahlte man 4,06 Prozent. Dieser Wert hatte unlängst die Marke von vier Prozent überschritten.Sprit teurer als im Mai 2025, aber billiger als im April 2026Zur Frage, was genau alles teurer oder billiger geworden ist, helfen die schon detaillierter veröffentlichten Zahlen für Nordrhein-Westfalen, die meistens recht repräsentativ für ganz Deutschland sind. Demnach sind die Kraftstoffpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14,4 Prozent gestiegen. Für Diesel belief sich der Anstieg auf 21,6 Prozent, für Benzin auf 12,2 Prozent. Dabei spielten der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus die zentrale Rolle.Gegenüber dem Vormonat April hingegen sind die Spritpreise um durchschnittlich 6,5 Prozent gesunken; der Preis für Diesel fiel um 10,9 Prozent, der für Benzin um 5,0 Prozent. Dabei dürfte die befristete Absenkung der Energiesteuer die entscheidende Rolle gespielt haben. Der Tankrabatt sei „weitgehend, aber nicht vollständig“ bei den Autofahrern angekommen, sagte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Hamburger Bankhauses Berenberg. Daneben gab es aber auch erhebliche Schwankungen des Ölpreises mit den Nachrichten zum Irankrieg.Auch die Preise für Heizöl lagen deutlich über den Vorjahreswerten und etwas unter den Vormonatswerten. Der Anstieg auf Jahressicht belief sich auf 26,9 Prozent, der Rückgang auf Monatssicht auf 2,6 Prozent. Beim Erdgas schlagen sich höhere Weltmarktpreise immer erst mit etwas Verzögerung auf die Endverbraucherpreise nieder, weil es lang laufende Verträge gibt. Hier war im Mai auf Jahressicht noch ein Preisrückgang um 1,1 Prozent zu verzeichnen; gegenüber dem Vormonat gab es einen leichten Anstieg um 0,1 Prozent.Unterschiedliche Entwicklungen bei LebensmittelnMit besonderer Aufmerksamkeit wird in der EZB zurzeit verfolgt, ob die steigenden Energiepreise auf andere Preise für Waren und Dienstleistungen ausstrahlen. Unter anderem war Dünger teurer geworden, das könnte Auswirkungen auf Lebensmittel haben. Auch Umfragen, wie Unternehmen ihre Verkaufspreise planen, hatten zuletzt Preiserhöhungen signalisiert.Durch die Bank ist für Lebensmittel im Moment aber noch nicht allzu viel Inflation zu beobachten. Spürbar teurer geworden sind manche unverarbeitete Lebensmittel wie Obst mit plus 4,2 Prozent. Gemüse legte 1,1 Prozent im Preis zu, Fleisch 2,7 Prozent. Speisefette und -öle wurden hingegen 17,8 Prozent billiger, Eier und Molkereiprodukte 4,6 Prozent.Unter den Dienstleistungen verteuerten sich Leistungen sozialer Einrichtungen – dahinter steckt unter anderem die Pflege – um 6,5 Prozent. Versicherungsdienstleistungen wurden 5,4 Prozent teurer. Essengehen kostete 3,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, Pauschalreisen wurden 3,5 Prozent teurer.Die Nettokaltmieten in Deutschland legten im Durchschnitt über neue und alte Verträge und über Stadt und Land um 2,2 Prozent zu. Das war also weniger als das Preisniveau insgesamt.