Schwarz-Grün sei „ein toter Gaul“, sagte CSU-Chef Markus Söder einst im Wahlkampf. Heute sind viele in der Union allerdings höchst unzufrieden mit der SPD. Werden nun plötzlich Koalitionen mit den Grünen wieder attraktiv?Darüber wurde am Mittwochabend bei „Maischberger“ diskutiert. Die ARD-Sendung in der TV-Kritik. Die Gäste Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-HolsteinRüdiger von Fritsch, ehemaliger Botschafter in MoskauGudrun Engel, Leiterin des ARD-Studios in Washington D.C.Jan Fleischhauer, Kolumnist (“Focus“)Jagoda Marinić, AutorinMarkus Preiß, Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Lob von unerwarteter Seite Man tritt dem Kolumnisten Jan Fleischhauer wohl nicht zu nahe, wenn man ihn – mit einem Augenzwinkern – als den Markus Söder unter den politischen Kommentatoren bezeichnet. Nicht nur, weil der gebürtige Osnabrücker heute im Söder-Land Bayern zuhause ist, sondern auch, weil er ähnlich wie sein Landesvater mit großer Freude über die Grünen lästert.Und so richten sich an diesem Abend, als es um die Grünen geht, alle Augen auf Fleischhauer. Diskutiert wird, ob die Partei in einer Koalition mit der CDU reformwilliger wäre als die SPD. Davon zeigt sich zumindest ARD-Hauptstadtstudioleiter Markus Preiß überzeugt. „Ich bin gespannt, was Herr Fleischhauer gleich sagt“, wirft er ein. „Ja, wir sind gespannt“, pflichtet ihm Maischberger bei. Fleischhauers Antwort ist durchaus überraschend: „Ich glaube, das Land wäre heute weiter, wenn es Schwarz-Grün gegeben hätte“, sagt ausgerechnet der notorische Grünen-Kritiker. Das liege nicht zuletzt am Zustand der Sozialdemokratie, erklärt Fleischhauer: Die SPD sei „eine so verschlissene, kaputte Truppe“, die angesichts der Umfragewerte in Panik verfalle. Die Grünen müssten hingegen bisher keinen drastischen Absturz in der Wählergunst befürchten. Außerdem seien sie „viel kaltherziger als die Sozialdemokraten“, wenn es um den Umbau des Sozialstaats gehe, befindet der Kolumnist. „Je kaltherziger, desto besser – das tut der Demokratie gut“, kommentiert die Autorin Jagoda Marinić ironisch. „Wir brauchen das auch mal in Deutschland jetzt“, erwidert Fleischhauer. Marinić sieht das anders: Dass die AfD so stark sei, habe auch damit zu tun, „dass Bürgerinnen und Bürger denken, die Reformen werden auf ihren Schultern getragen“. Reiche oder Habeck? Später in der Sendung, als sich das Gespräch längst von den Grünen wegbewegt hat, springt Fleischhauer ohne Not noch einmal für die Grünen in die Bresche. Es sei „der hier auch schon gelobte Robert Habeck“ gewesen, der mit dazu beigetragen habe, dass nach dem Beginn der russischen Invasion der Ukraine „hier die Lichter nicht ausgegangen sind“, sagt er. Fehlt nur noch, dass Fleischhauer erzählt, er sei mit dem Lastenfahrrad ins Studio gefahren.Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), der seit 2017 mit Beteiligung der Grünen regiert, kommt das Lob für den Koalitionspartner ohnehin leicht über die Lippen. Besonders, wenn es um seinen ehemaligen Landwirtschaftsminister Robert Habeck geht. Von Maischberger darum gebeten, sich zwischen ihm und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu entscheiden, ziert sich Günther nur kurz.Das empfindet eigentlich jeder als Fehler.Daniel Günther, schleswig-holsteinischer CDU-Ministerpräsident, über den Umgang seiner Partei mit den Grünen.„Ich bin immer schlecht darin, irgendwelche Zeugnisse und solche Vergleiche zu machen“, betont er pflichtschuldig. Dafür fällt seine Antwort allerdings sehr deutlich aus. Mit Reiche habe er eine „vernünftige Zusammenarbeit“, sagt Günther. „Aber ich mache auch heute hier keinen Hehl daraus, dass ich mit Robert Habeck als Wirtschaftsminister extrem gut zusammengearbeitet habe.“ Eine durchaus charmante Art, sich von der eigenen Parteifreundin abzugrenzen. Kleine Sticheleien, große Strategie Es geht bei solchen Aussagen weniger um persönliche Sympathien eines einzelnen Politikers. Die sind letztlich uninteressant. Vielmehr lässt sich daraus ablesen, welche Strategie Günther als CDU-Ministerpräsident und wichtige Stimme des liberalen Flügels in der CDU für die Union anstrebt. Setzt man auf einen Konfrontationskurs zu den Grünen, für den insbesondere CSU-Chef Markus Söder steht? Oder geht man auf sie zu, weil man sich sonst Koalitionsoptionen verbaut?Günther plädiert eindringlich für Letzteres. Er kenne „eigentlich in der gesamten Unionsfamilie niemanden, der unsere Strategie im letzten Bundestagswahlkampf, die Grünen in Bausch und Bogen zu verdammen, noch für richtig hält“, sagt der Ministerpräsident. „Das empfindet eigentlich jeder als Fehler.“ Ob Söder das auch so sieht, lässt Günther offen. Einen weiteren Seitenhieb kann sich der Ministerpräsident gegenüber seinem bayerischen Amtskollegen nicht sparen. „Gucken Sie sich die Zustimmungswerte für die Regierungen an, die von Schwarz-Grün geführt werden. Die sind alle deutlich beliebter als andere Regierungen“, sagt er. Soll wohl heißen: Beliebter als Deine, Markus.
Koalitions-Talk bei „Maischberger“: „Eine so verschlissene, kaputte Truppe“
Bei „Maischberger“ geht es um die Grünen – obwohl die gar nicht anwesend sind. Und siehe da: Neben CDU-Ministerpräsident Günther wirbt auch Kolumnist Jan Fleischhauer für Schwarz-Grün.












