Die Presse beim ESC in Wien ist halb Berichterstatter, halb Fan. Objektiven Journalismus gibt es hier nicht. Dafür Sachertorte und andere Geschenke.
Draußen prasselt der Regen gegen die Glasfront, die Stoffbezüge der pink-lila Eurovision Strandstühle im Garten färben sich dunkel ein. Drinnen schwitze ich unter einem goldenen Kronleuchter und schaue raus, um mich vom Schmerz abzulenken. Es ist neun Uhr morgens, am Freitag, dem Tag vor dem ESC-Finale und ich hocke auf allen vieren im Foyer des Wiener Möbelmuseums. Im Pyjama.
„Hebt das Bein noch höher, noch drei, noch zwei, noch eins und Pause“, ruft die Pilatestrainerin. Eine Pappversion des ESC-Maskottchens Auri, Typ Sams auf LSD, schaut mir bei meinen mickrigen Versuchen, mein Bein lang genug in die Luft zu strecken, zu. Die ukrainische Journalistin und das italienische Delegationsmitglied neben mir scheinen weniger Probleme dabei zu haben. Im Hintergrund feuert uns ESC-Siegerin Loreen durch die Musikbox an.
Als ich um kurz vor neun in grauer Jogginghose und Top ankam, rechnete ich mit dem Schlimmsten. Vier Reihen schwarzer Gummimatten hatten die beiden netten Herren des Museums bereitgelegt. Zum ESC Pilates kamen statt zwanzig Teilnehmer*innen nur drei. Also setzten wir uns brav in die erste Reihe und ließen uns 45 Minuten lang quälen. Ob es Unwissen oder eine bewusste Geschmacksentscheidung der Trainerin war, dass wir in der kompletten ESC-thematischen Sporteinheit keinen einzigen Song aus diesem Jahr hören sollten, blieb unklar.















